Reisetagebuch Tag 8, Tag 9, Tag 10

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Langsam sammeln sich immer mehr Tage zusammen! Das stört mich. Jetzt, wo mein Sohn Ferien hat, braucht es neue Strukturen, damit mein Tagebuch weiter seinen fixen Platz hat. Ein gutes Training dafür auf mich selbst zu schauen!

Was ich unbedingt sagen wollte: Es berührt und freut mich sehr, dass es da Menschen gibt, die meine Erfahrungen und Erlebnisse interessieren und die immer wieder vorbei schauen! Danke!

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Diesmal möchte ich ein ganz persönliches, wichtiges und anrDSCN3212.baegendes Thema anschneiden. Das Tanzen.

Mittwoch war mein Tanztag. Von 8:00 bis 9:30 Uhr kann ich hier in Wels einen schönen großen Raum günstig nutzen. Fast ein Jahr habe ich dazu gebraucht dort anzufragen. Und in Wahrheit ging es darum mir überhaupt dieses Bedürfnis zuzugestehen und diese Freude zu gönnen.

Diesmal war Boris mit und hat seine neue Kamera ein wenig ausprobiert. (siehe Fotos!)

Es tat gut zu schwitzen und den Muskeln einen feinen Grund für ihr Dasein zu geben. Und ich habe mich so gefreut über Boris‘ Fähigkeit heimlich und dezent wirklich spannende Fotos zu machen!

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Tanzen ist meine große Leidenschaft, mein Lebenselixier. Gute Musik und ausreichend Platz bringen mich zum Strahlen.

Und gleichzeitig steckt es voller Fragen und Hemmungen.

Seit vielen Jahren tanze ich, allein für mich, auf Tanzfesten, in Workshops und Kursen, und bei Tanzabenden oder -kursen, die ich selber anbiete. Mit Bernhard kann ich nun sogar meiner Begeisterung für Paartanz nachgehen,  – dafür müssen wir uns allerdings erst ein paar organisatorische Voraussetzungen schaffen.

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Tanz hat große Kraft!

Schon als Kind habe ich die Freude am Tanzen gespürt.

Ich habe aber auch Kräfte wahrgenommen, die mich davon weg holen wollten. Die Tanzen als unseriös, TänzerInnen gar als peinlich empfunden haben. Wo immer das herkam, – diese angstvolle, kritische Sicht hat sich ebenso in mich eingeprägt.

Mit diesem Zwiespalt lebe ich.

Mich beschäftigt – vielleicht gerade dadurch – die Frage, wie es kommen konnte, dass wir Menschen uns so weit von unserem Körper und unserer Ausdruckslust entfernt haben.

Tanz hat große Kraft! Wo liegt diese Kraft?

  • Tanzen macht uns körperlich stark. Wer tanzt, hat ein vielseitiges Muskel- und Ausdauertraining, das verbunden ist mit Freude und Loslassen von Spannung. Ein enormer Trainingseffekt, der beinahe von selbst kommt! Der Tonus tanzender Menschen ist hoch, weshalb sie präsenter wirken und eine starke Ausstrahlung haben. – Könnte jemand davor Angst haben?
  • Tanzen hält uns beweglich. Die mühelosen, spontanen Bewegungen, die unser Körper als Antwort auf Rhythmus und  Musik produziert, beteiligen jeden Körperteil, jedes Gelenk, die feinsten Verbindungen. Beweglichkeit des Körpers steht in engem Zusammenhang mit geistiger Beweglichkeit. Wenn ich viel tanze, fühle ich mich kreativer, offener, bereit für Neues. – Könnte jemand davor Angst haben?

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  • Tanzen schafft eine gute Verbindung zwischen Geist und Körper. Bei Maria Montessori habe ich gelesen, dass die Möglichkeit sich frei zu bewegen, – eine ihrer zentralen Prinzipien in der Pädagogik -, dem Menschen einen natürlichen Lernprozess ermöglicht: und zwar die willentliche Steuerung seines Körpers durch seinen Geist zu üben. Unser Körper ist unser Vehikel in diesem Leben. Wenn wir nicht mit unserem Auto fahren, verlernen wir die selbstverständlichen Handgriffe, die Mechanik verrostet und die Elektronik wird schadhaft. Ein menschlicher Körper hat so viel mehr Potenzial als ein Auto! Fortbewegung und Transport von Dingen sind ein kleiner Bruchteil davon. Durch den kreativen Ausdruck kann im Tanz eine Vielzahl an neuronalen Verschaltungen aktiviert und dadurch willentlich nutzbar gemacht werden. Auch dieser Aspekt führt zu größerer Präsenz im Körper, in Form von feinerer Wahrnehmungs- als auch Gestaltungsfähigkeit. – Könnte davor jemand Angst haben?
  • Tanzen ermöglicht es Spannungen zu lösen. Wenn wir tanzen, dann lassen wir uns üblicherweise ein auf einen Rhythmus und was der in unserem Körper bewirkt. Oft schütteln und lockern wir dabei ganz unbewusst angespannte Muskelgruppen. Zusätzlich geben wieder belebte Muskelpartien des Stützapparates genügend Halt um an anderer Stelle Spannung nachzulassen. Entspannte Menschen fühlen sich wohl in ihrem Körper, sie sind auch psychisch ausgeglichener. – Könnte davor jemand Angst haben?

Die Frage hinter jedem Absatz klingt provozierend und vielleicht absurd. Doch gibt es Menschen und von Menschen geschaffene Institutionen, denen geschwächte, abgestumpfte, hilflose und unzufriedene Menschen lieber sind, weil sie unsicher sind, nicht nachfragen, sich in Gegebenes fügen und verzweifelt nach Ersatzbefriedigungen suchen.

Geschwächte Menschen versuchen, andere Menschen unter Kontrolle zu bekommen. Dabei könnten sie sich besser helfen, indem sie sich selber stärken! Zum Beispiel durch ein Zugeständnis an echte Lust und Lebensfreude. Und dann kommt auch das Tanzen!

Tanzen ist ja noch viel mehr:

Es löst Glücksgefühle aus durch Endorphinausschüttung, bringt unsere Bestandteile sowieso in höhere Schwingung, lässt uns die Verbundenheit mit allem spüren, sodass wir uns geborgen und ganz fühlen, und holt uns nicht zuletzt ins Hier und Jetzt.

Würden wir alle mehr tanzen, – vieles würde sich ändern!

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Ein paar persönliche Wünsche noch in diesem Zusammenhang:

  • Räume! Schaffen wir Räume, große, hohe Räume mit Holzböden und vielen Fenstern. Und dann tanzen wir darin, zumindest einmal die Woche!
  • Weg mit dem Perfektionismus irgendwelcher Vorbilder! Hauptsache, wir fangen wieder an uns zu bewegen.DSCN3238.ba Die Geschmeidigkeit kommt! Ganz sicher!
  • Tabus und Glaubenssätze! Lassen wir los, was uns daran hindert unsere Hüften zu bewegen, unsere Körper schön zu finden und es zu genießen, wenn eine herzhafte Musik uns unverhofft in die Glieder fährt und wir bisher nie für möglich gehaltene Bewegungen hervor bringen!

Ich freu mich darauf, immer mehr zu tanzen und Menschen tanzen zu sehen!

 

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