Archiv der Kategorie: Reisetagebuch

Reisetagebuch Eintrag 14

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Wie prachtvoll der Sommer immer noch die Welt in strahlende Farben taucht!

Ich lerne gerade einen weiteren Schritt der Abnabelung, und dazu kann ich die fröhliche Farbenpracht und Wärme sehr gut gebrauchen. Wer seit geraumer Zeit erwachsen ist, wie ich, der würde vielleicht nicht daran denken, dass alte Kindheitsmuster noch immer sein Leben bestimmen und es in vieler Hinsicht hemmen oder einschränken. So wie ich es nicht dachte.

Mehr und mehr dieser Muster blubbern an die Wasseroberfläche meines Bewusstseins, und ich bin dankbar, dass sie blubbern!

***

Schon länger trage ich die tiefe Überzeugung in mir, dass wir Menschen unser Leben selbst gestalten durch das, woran wir glauben und was wir uns selber zugestehen. Als ich vor Jahren Louise L. Hay, besser gesagt eines ihrer Bücher, kennen gelernt habe, hat sich mein Leben tatsächlich radikal verändert. Ihre Ermutigung mich anzunehmen, wie ich bin, mich wertzuschätzen und mich das auch täglich immer wieder in Affirmationen wissen zu lassen, brachte völlig neue Kräfte in mir zutage. Ich fing an mir etwas wert zu sein, meine Wünsche und Bedürfnisse ernst zu nehmen (jetzt nämlich wirklich) und an die Möglichkeit ihrer Erfüllung zu glauben.

Auf diesem Weg des Sich-selber-ernst-Nehmens geht es oft lange Zeit sehr rund und flüssig dahin. Wenn auch schmerzhafte Erfahrungen daher kommen, erklären sie sich schon wenig später als wesentliche Chancen für Neues und BESSERES! Mein Leben ist reich und bunt, und an solchen Chancen mangelt es mir nicht.

Doch kann es passieren, dass vor lauter Befriedigung über das Gewonnene, vor lauter Stolz über den erfolgreichen Beweis für diese tiefe Überzeugung, der Schwung verloren geht. Dies ist der Zeitpunkt, an dem alte Muster wieder fröhlich das Kommando übernehmen und der Mensch sich fühlt, als würde er in der Falle sitzen. So wie ich.

„Ich habe es euch gezeigt! Es funktioniert wirklich!“ – Wie es scheint, war ich allen Ernstes der Ansicht nun alles Nötige getan zu haben und mich auf diesen Lorbeeren (eine wundervolle Partnerschaft, eine wundervolle Wohnung, ein wundervolles Kind, …) auszuruhen. Dass ich jemals wieder leiden oder unzufrieden sein könnte, – ich hätte es nicht erwartet! Aber ich litt. Und weil ich im Trubel des Trotzes, der Ungläubigkeit, des Haderns mit mir und der Welt auf viele der vorher gelernten Grundsätze vergessen habe, litt ich umso mehr.

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Manchmal stehen die Erfahrungen, aus denen ich lerne, in keinem direkten Zusammenhang mit dem Inhalt dessen, was ich lerne. – Das möchte ich jedem pädagogisch tätigen Menschen groß ins Stammbuch schreiben!

Beispielsweise besuche ich ein Seminar zum Thema „Beckenboden“ nach der wunderbaren Franklin-Methode und komme nachhause mit dem Bewusstsein, dass meine Bedürfnisse ALLE wichtig sind. Und ich beginne zu sagen, was ich brauche, und vor allem, was ich nicht will (jetzt nämlich wirklich).

Im Grund ist jede Sache, die ich wirklich für mich mache, die mir Zeit und Raum für das Erleben meiner ganz persönlichen Natur gibt, eine Quelle von einschneidenden Erkenntnissen. Dinge und Erfahrungen, die mir mich selbst in meiner Kraft spüren lassen, bringen mich jedes mal enorm voran. Dabei lerne ich, was immer gerade ansteht gelernt zu werden.

Wie lange habe ich nicht getrommelt?! Gestern endlich konnte ich wieder einmal, und zwar auf einer geliehenen prachtvollen Ur-Ton Trommel, bespannt mit dem Fell eines Ziegenbocks, das intensive dunkle Bässe hervor brachte. Ein Krafterlebnis!

Wenn ich manches lange Zeit nicht gemacht habe, wofür ich erwiesener Maßen geschaffen bin, dann glaube ich oft nicht mehr daran, dass ich es kann. Doch beim Trommeln war ich mir sicher. Und ich werde es jetzt öfter tun, das weiß ich jetzt.

Was ich noch weiß, ist, dass ich eine ganz bestimmte Rolle in meinem Leben nicht mehr spielen will. Aus welchen Gründen auch immer habe ich gefühlter Weise schon immer die fürsorgliche Rolle einer Mutter für meine Eltern übernommen. Darüber habe ich immer wieder voll Rücksicht meinen eigenen Lebensfunken verdrängt und bin „verträgliche“, angepasste Wege gegangen. Ich habe es zugelassen, dass mich Ihre Sorgen und scheinbar aus Liebe zu ihrem Kind vorgebrachten Ängste bisher viel zu oft umgestimmt, mir jedenfalls enorme Kräfte gekostet und meinen Plänen häufig jede Brillanz genommen haben. Waren sie erst einmal zu Tode diskutiert, konnte ich sie gleich fallen lassen.

Aus damit! Was ich da übernommen habe, hat niemand von mir verlangt! Ich darf ehrlich Nein dazu sagen und mich wieder meinem eigenen Leben zuwenden. (Jetzt nämlich wirklich, Jippie!)

Ich bin bereit für all die weiteren Muster, die ich noch erkennen werde, wenn sie denn geblubbert kommen.

Und ich bin immer noch dankbar für meinen wundervollen Partner, mein wundervolles Kind, und für das wundervolle Haus, das irgendwo da draußen schon ungeduldig und voll Vorfreude darauf wartet von uns gefunden und bewohnt zu werden.

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Glückliche Tage dir!

Gabi

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Reisetagebuch Eintrag 13

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Guten Morgen!

Nach drei Wochen Schreibpause gebe ich hier wieder ein Lebenszeichen von mir.

Ich habe tatsächlich rein gar nichts geschrieben in dieser Zeit! Dafür bin ich auf einem wirklich hohen Berg gewesen, habe einen beachtlichen Muskelkater überstanden, die grandiose Hitze genossen; ich habe verschiedene österreichische Regionen und Städte erlebt, köstliche Speisen geschmeckt und mir von kühlen Getränken so erquicklich das Leben retten lassen, wie bisher noch kaum in meinem Leben.

Die Liebe und das Leben haben mich sehr verwöhnt, und viel Neues erfüllt wieder mein Bewusstsein. Ich habe sogar einen Roman gelesen!

***

Vielleicht deshalb, weil derzeit wieder österreichische Verhältnisse herrschen, was den Sommer betrifft, und sich um mich schon wieder alles auf den Herbst ausrichtet, – mit Schulstart und derlei festgefahrenen Strukturen, – klopfen andere Realitäten an mein Bewusstseinstürl. Und innen drin höre ich es grumeln: „Ich bin nicht da. Keiner zuhause!“ – Keine Lust mich darauf einzulassen.

Es hat sich ja auch nicht viel geändert seit Juli an meiner allgemeinen Situation. Vielleicht habe ich es hier noch nicht erwähnt: ich lebe im Aufbruch. (Früher habe ich immer gesagt im Umbruch, und das war grundsätzlich eigentlich immer so. Menschen, die mir nach längerer Pause wieder begegnet sind, haben schon wissend genickt bei dieser altbekannten Antwort auf ihre Frage nach meinem Befinden.) Aber: ist es nicht so, dass sich immer etwas verändert? Wir entwickeln uns doch weiter, oder?

Nun, ich trage trotzdem den tiefen Wunsch in mir zu landen. – Ich habe es gleich zu Beginn hier erwähnt. Ankommen. An einem wohlwollenden, nährenden Ort, an dem ich freudig empfangen und aufgenommen werde mit meiner gesamten bunten Fülle von Eigenarten und Qualitäten. An dem ich mich niederlassen kann und aufgehoben bin, sicher und geborgen.

Ich fühle mich immer wieder, und derzeit wieder besonders massiv, wie der Fallschirmspringer, der zwar genießt zu schweben, aber die meiste Zeit damit zubringt einen Platz zum Landen zu finden. Einen guten Platz, einen wirklich idealen!

Ginge es nur um mich, – ich wäre schon sehr bald zufrieden. Glaube ich zumindest. Eine feine Wohnung irgendwo in einem alten Gebäude, mit Garten oder Balkon, in der Nähe Natur. Großes Wohnzimmer zum Tanzen, Schlafzimmer, Küche, Bad. – Die Protagonistin in dem Roman, den ich gelesen habe, hatte eine geniale Wohnung in Paris, edelste Lage und nur mit dem Besten ausgestattet. Keine moderne Kühle, sondern freundliche, natürliche, liebe- und wertvolle Gegenstände und Möbel. Gute Vorstellung!

Nun sind wir aber zu dritt. Es gibt auch noch andere Bedürfnisse und andere Vorstellungen und Notwendigkeiten. Zumindest sehe ich es so. Deshalb sende ich im Moment wohl eine ziemlich verwirrende Mischung aus Wünschen ans Universum, und habe deshalb auch noch keine „Lieferung“ erhalten. Ich bin verzweifelt. Und dann auch wieder nicht. Ich weiß ja, dass es so richtig ist, wie es ist. Die Welt ist ein Spiegel meiner inneren Überzeugungen und Gedanken. Die gilt es kennen zu lernen.

***

Schön, dass die Hilfe, die ich mir wünsche, so wunderbar und vielfältig zu mir flattert. In Form von Büchern, die jemand in einem Gespräch erwähnt, oder Menschen, die plötzlich in mein Leben treten. Ich merke, dass etwas in diesem Moment genau passt, an dem weiten und freien Gefühl im Bauch. Ein JA, wie wenn der Puzzleteil exakt in die offene Stelle einrastet.

Ich erlebe so viele Möglichkeiten, so viele Angebote und Einladungen genau für MICH! Da hüpft mein Herz, und ich weiß, dass ich gehört, geliebt und begleitet bin. Und das nicht von irgendeinem undefinierbaren, fernen Wesen, sondern von mir selbst!

Schritt für Schritt lerne ich die Resonanz erkennen, die mein bewusstes Denken und Wünschen in die mich umgebende Wirklichkeit übersetzt. Und dass Schmerzen, Tränen, Phasen der Traurigkeit und Schwere wie Geburtswehen sind, die das Neue hervorbringen, weil Altes verändert wird. Sobald ich das so erfasse, und mich liebevoll um mich kümmere, wenn es mir kurzfristig schlecht geht, dann kann ich der Transformation förmlich zuschauen.

***

Kürzlich habe ich auf der Autobahn ein Hinweisschild gesehen, das mir bisher nie aufgefallen war. Bernhard hat mir versichert, dass es „schon immer“ da war. Ich kann es mir durchaus denken, weil es sich um den Wegweiser zu einer Burg handelt, die sicher nicht erst voriges Jahr dort gebaut worden ist.

Wie eine Eingebung war für mich plötzlich die Botschaft da: mein Bewusstsein hat sich erweitert! Nun sehe ich etwas, was ich vorher nicht gesehen habe! Wow! Diesmal war es der Hinweis auf eine Burg, ein anderes Mal ist es vielleicht ein Mensch, den ich davor nicht beachtet hätte, oder ein Haus??!! Ein Haus, das genau für mich und uns geschaffen ist, so wie und wo wir im Moment gerade leben wollen!!

Es geht also voran, das weiß ich.

Und ich spüre es jetzt, wo ich das alles aufgeschrieben habe, viel klarer und deutlicher wieder in mir verankert, und mich im Leben verankert. Wirklich! Danke!

Freude und gutes Gelingen für dich!

Reisetagebuch Eintrag 12

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Schön war es gestern auf dem See zu schaukeln!

Meine zwei Lieben haben günstig eine aufblasbare Insel erstanden, auf der wir gemütlich über den Pichlinger See getrieben sind, erst zu dritt, dann ich ganz alleine. Der leichte Wind blies sanft in die kleine Palme und wir mussten dann ganz schön weit wieder zu unserem Start zurück schwimmen. Die Insel trug Bernhard zeitweise als Turban auf dem Kopf dabei – ein witziger Anblick.

Das Wasser war wohlig temperiert, und die Sonne hat sich oft hinter den Schleierwolken verborgen, weshalb wir glücklich auf das Einschmieren verzichten konnten.

Während Boris und Bernhard fröhlich juchzend die Insel einem gnadenlosen Materialtest unterzogen, habe ich am Ufer die letzten Seiten eines Schnelldurchlaufbuches verschlungen. Eine nette, ansprechend erzählte Geschichte, deren Protagonistin so ganz anders ist als ich, und doch wieder nicht.

Schön war auch unser Besuch vorgestern bei unserer Freundin Sonnja, mit der zusammen wir die Keimzelle unserer neuen Lebensform darstellen: unser Kunterbuntes Dorf. Wie gut hat es getan gemeinsam das leckere Essen zu genießen und sich miteinander zuhause zu fühlen!

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Heute Früh hat das leise Rauschen des Regens mich noch etwas länger in den Federn gehalten. Immer wieder bin ich eingeschlafen und habe interessante und seltsame Träume gehabt. Manchmal kommt mir das so vor wie ein innerliches Fernsehprogramm, das da läuft. Jeder „Film“ beeindruckt mich tief. Leider vergesse ich meist die vorhergehenden schnell wieder, wenn der nächste mich in seinen Bann zieht.

Schließlich bin ich aufgestanden um meine morgendliche Meditation zu machen, – bevor wieder ein neues Programm losgeht. Am Wochenende pausiere ich mit den Körperübungen meistens. Da ist mir mein Schlaf und die Zeit mit meinen Lieben wichtiger.

Die anstrengende Erfahrung mit meinem Vater aufarbeitend und im Begriff sie loszulassen, bin ich heute direkt zu meinem Buch gekommen. MEIN Buch, ein Vorhaben, das mich schon eine Weile befasst. Ich möchte ein Buch schreiben, in dem all das Wissen und die Erfahrungen, die mir mein bisheriges Leben gebracht hat, zu den Themen Wachsen, Lernen, Pädagogik, Schule usw., kompakt, verständlich und in klaren Bildern für ein breites Publikum lesbar werden.

Einige Anläufe habe ich schon genommen, mehrere Vorworte liegen schon auf meiner Computerfestplatte gespeichert. Ich habe gehört von den Anfangsschwierigkeiten eines jeden Autors (?), aber ich bin tief drinnen überzeugt, dass ich selber es bin, die mich daran hindert in den Fluss zu kommen. Ich darf damit aufhören!

Wie toll waren kürzlich all die Informationen, die ich zum Thema Schreiben plötzlich per Mail aus unterschiedlichen Quellen bekommen habe! Wow! Motivierend und inspirierend!

Vieles ist mir so klar, so selbstverständlich! Darüber will ich schreiben. Vielleicht hatte ich bisher immer noch Angst mit meiner Sicht der Dinge jemanden vor den Kopf zu stoßen? (- So wie ich ständig meinen Vater vor den Kopf stoße mit meinen Ideen und meiner Art zu leben!) Aus damit, – ich kann ja nicht ewig Rücksicht nehmen und dabei mein Eigenes zurück halten!

So sind also nach der Meditation gleich die Rädchen angesprungen, neue Ideen herauf geblubbert. Und alles hängt ja zusammen: habe ich geklärt, wie ich mich selber befreien kann von der alten Angst, jemandem auf den Schlips zu treten, dann bedeutet das gleichzeitig wieder eine Erkenntnis für mein Buch!

Wer hält nicht etwas zurück aus irgendeinem Grund? Aus Angst, oder aus Rücksicht? Oft wissen wir das nicht einmal mehr, weil uns als Kind das damals derart in Fleisch und Blut übergegangen ist. Es war ja nötig um zu überleben.

Jetzt sind wir Erwachsene und in manchen Situationen immer noch unbeholfen und tapsig wie ein kleines Kind. Eingeengt in unserem Bewegungsspielraum, geistig, aber oft auch körperlich. Denn das Geistige manifestiert sich mit der Zeit.

Mein Buch schaut aus einem neuen Blickwinkel auf unterschiedliche psychologische Themen, die mich regelmäßig befassen. Natürlich aus meinem Blickwinkel, der durch mein Erwachsen-Werden und Lernen geprägt ist.

Darauf freue ich mich schon! Halt mir die Daumen, dass ich dran bleibe!

Ich wünsche dir einen freudigen Tag mit viel Rücksicht auf deine eigenen Bedürfnisse und Gelüste!

Reisetagebuch Eintrag 11

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Du, deine Überzeugung, deine Handlungen, dein Leben.

– Du hast ein Recht darauf und du hast es in der Hand, wie du jedes einzelne davon gestaltest.

Ich habe ein paar grimmige, schwermütige Tage hinter mir, in denen ich mich weit weg von innerem Frieden, von Zufriedenheit und einer Chance zu landen gefühlt habe. Es war, als würde ich überall abgewiesen werden, als würde mich keiner haben wollen, so wie ich da daher kam. Nein, nein, nein. – Wie die heilige Familie am Abend vor Weihnachten.

Während dieser ganzen Zeit konnte ich nicht sagen, was los war. Ich habe nur gewusst, dass ich verändert war, zermürbt, belastet. Ich habe mich krank gefühlt, so wie die Prinzessinnen in den Märchen, denen der Kummer um den verlorenen Prinzen – oder den falschen Ehemann – auf die Gesundheit schlägt. Ich habe gewusst, dass sonst nichts ist!

Meine Vermutung war, dass es mit dem Besuch bei meinen Eltern zu tun hat, mit dem Kontakt zu meinem Vater. Jetzt – heute – weiß ich, was es ist. Ganz klar habe ich auf einmal gesehen, woher die Last kam. – Angst!

***

Hast du jemals einem Kind zugeschaut, wie es auf einen Baum klettert, höher und höher? Du kannst nur zuschauen, und unten bleiben. Und vertrauen, dass es die richtigen Schritte setzt, sich an den richtigen Ästen festhält. Vertrauen! Und wenn es dann noch dein eigenes Kind ist! – Du kannst nur vertrauen.

Natürlich hast du Angst, spürst das ungute Ziehen irgendwo im Genitalbereich, im Wurzelchakra. Doch wirst du schreien? Wirst du dem Kind deine Angst, deine eigene Unsicherheit, deine Hilflosigkeit da hinauf schießen?

Ich habe nicht geschrien, ich habe vertraut, wenn mein Sohn seine Kletterlust ausgelebt hat. Ich habe die Freude und die Konzentration in seinem Gesicht erkannt und ihn von unten mit meiner Präsenz begleitet. Ich wusste: meine Angst gehört mir, dafür bin ich zuständig. Schieße ich sie ihm zu, wer weiß, vielleicht schieße ich ihn sogar herunter!

Er klettert sicher und wunderbar.

Das Gleiche gilt für das Leben!

***

Wir Eltern wünschen uns, dass es unseren Kindern gut geht, sie gesund und glücklich sind. Und manchmal haben wir Angst. Wenn wir sie nicht begleiten können, wenn sie sich auf neues Terrain wagen, wo wir selbst noch nie gewesen sind.

Dann können wir wieder nur vertrauen, und mit unserer eigenen Angst selber fertig werden! Denn sind es nicht unsere Kinder, stark und klug und absolut fähig? Sind es nicht ihre Entscheidungen, die sie treffen, auf der Basis dessen, was sie kennen und womit sie umzugehen gelernt haben? Ich verlasse mich, dass mein Kind weiß, was es sich zutrauen kann.

Und wenn es mich braucht, dann kann es jeder Zeit zu mir kommen! Dann bin ich da. Dann begleite ich es mit meiner Präsenz. Und ich werde mich hüten ihm etwas anderes spüren zu lassen als mein vollstes Vertrauen in seine Wahl, seine Entscheidungen, seine Kraft und Fähigkeit.

Das habe ich gelernt.

  • Wie schön es ist ein starkes, selbstsicheres Kind zu haben!
  • Wie traurig es ist, wenn Eltern nicht sehen, wozu ihr Kind imstande ist und mit ihrer Angst nach ihm werfen!

***

Ich klettere auf die unterschiedlichen Bäume meines Lebens, neugierig, gewandt, bewusst. Ich betrete Neuland, unbekanntes Terrain. Dort waren meine Eltern nicht, niemals. Wie könnten sie? So wie sie zuvor gehe ich über das hinaus, was die Elterngeneration kannte. Die Richtung ist vorgegeben, der Pfeil abgeschossen, – ich fliege!

Und dann kommt die Angst! Nicht meine Angst, die meines Vaters. So als wollte er den fliegenden Pfeil zurück pfeifen, – Moment, nein, NICHT! – wirft er seine Angst nach mir, schleudert sie mir um die Ohren.

Ich komme ins Trudeln, manchmal falle ich sogar herunter. Verdammt, nicht schon wieder! – möchte ich schreien.
Ich brauche eine Weile, bis ich mich wieder aufrapple. Die Richtung ist vorgegeben, – ich fliege wieder!

Das ist nicht meine Angst, dafür bin ich nicht zuständig. Das weiß ich jetzt. – Wie entlastend! Ich bin verantwortlich für meine eigene Angst, verantwortlich für mein Kind, wenn es Angst hat. Aber nicht für die Angst meines Vaters.

Der Baum, auf den ich klettere, mag ihm besonders gefährlich erscheinen, ihm besonders Angst machen. Ich hab mir diesen Baum gewählt. Für mich ist es der natürlichste Baum der Welt! Diese Angst hat mit mir nichts zu tun! Ich kann sie bei meinem Vater lassen, dankend ablehnen. Ablehnen!

Es geht mir wieder gut heute. Der Pfeil fliegt wieder!

Guten Flug auch dir!

Reisetagebuch Eintrag 10

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Wir sind das Ergebnis unserer Kindheit ?

Wie eng mir immer wird, wenn ich das Haus meiner Eltern betrete und mit den alten Mustern konfrontiert bin, die mir als Kind Alltag gewesen sind! Jetzt sind sie es nicht mehr, jetzt habe ich mich weiter entwickelt. Die Muster treffen trotzdem tief.

Da ich überzeugt bin davon, dass wir uns unsere Eltern und überhaupt die Herausforderungen unseres Lebens vor der Geburt selber aussuchen, hadere ich nicht mit dem Schicksal, wenn ich an die schwierigen Bedingungen denke, die ich in meiner Kindheit vorgefunden habe. Nicht mehr. Inzwischen erkenne ich nach und nach die Lernaufforderungen, die sie beinhaltet haben.

Manchmal aber denke ich mir: hört das nie auf? Wenn ich wieder die gleichen Worte höre, den gleichen Unterton, die gleichen verbalen Ohrfeigen. Wenn ich wieder von dem Menschen, den ich aus tiefem Herzen liebe, meine Handlungsfähigkeit abgesprochen bekomme. Wieso höre ich das immer wieder, leide immer wieder?

Es braucht ein oder zwei Tage um nach einem solchen Besuch wieder im Lot zu sein. Ich bin von liebevollen, verständnisvollen Menschen umgeben. Und ich weiß, dass der Mensch, der mich so herausfordert, sicher auch sein Bestes tut.

***

Wir sind das Ergebnis unserer Kindheit, und unseres Erwachsen-Werdens. Irgendwann lösen wir uns los von der Welt unserer Eltern, – wir können, wenn wir wollen. Manche rebellieren, manche gehen einfach. Ich habe auf meine Art rebelliert und bin einfach gegangen.

Was ich schon als Kind wusste, was bloß keine Resonanz gefunden hat, – ich begann es „draußen in der Welt“ zu suchen. Ich wusste, weil ich es tief in mir spürte, dass es da Liebe und Zärtlichkeit gibt, dass es da Menschen gibt, die feinfühlig, musisch, kreativ sind, Menschen, die wertschätzend sind!

Wäre ich auf dem Stand meiner Kindheit geblieben, hätte ich mich stur in mein Studium gestürzt, es durchgezogen, wäre weltfremd geblieben und einsam. Ich hätte vielleicht viel Geld verdient, wäre aber unglücklich, krank, depressiv geworden. Vielleicht hätte ich mir die Anerkennung gewisser Menschen erworben. Jedenfalls hätte ich mich selbst aufgegeben.

Ich weiß nicht, was mich dazu antrieb, – ich staune selber in manchen Momenten darüber, – aber ich habe mich gelöst, aus der Einsamkeit, der Starrheit, dem Bewusstsein, still, vernünftig und unterwürfig sein zu müssen. Andere haben vielleicht mehr in ihrem Leben ausprobiert, mehr riskiert, mehr erreicht in kürzerer Zeit. Ich bin froh und stolz, dass ich hier stehe, wo ich stehe. Denn mein ganzes Denken hat sich verändert, meine ganze Wahrnehmung von der Welt!

Es tut mir weh zu wissen, dass ich diesen Weg habe alleine gehen müssen. Die Aufgabe meiner Eltern war die Vorbereitung. Sie haben mich vieles gelehrt, was ich auf dem Weg gebraucht habe. Und einiges, was ich auf diesem Weg habe loslassen müssen. Sie trotzdem zu lieben, auch wenn sie mich nicht verstehen, ist meine aktuelle Herausforderung. Und mich selbst genug zu lieben um mich vor angstvollen, unbeholfenen, aber deswegen trotzdem brutalen Angriffen zu schützen, das übe ich. Das hält mich auf Trab.

***

An manchen Tagen beschäftigt mich noch immer die völlig absurde Frage: darf ich die sein, die ich bin? Und damit eine ganze Schar weiterer Fragen: darf ich mein Potenzial ausleben, meinen Freuden folgen, meine Bedürfnisse ernst nehmen?

Ich weiß, dass ich es darf. Ich weiß inzwischen, dass ich es muss um gesund zu bleiben! Es ist immer noch ein Lernprozess. Besonders, wenn ich gerade mal wieder die alte Luft geschnuppert, die alten Worte gehört, die alte Verdammnis gespürt habe. Und sie auf mich bezogen habe. – Selber schuld. Ich kann ja alles dort lassen, wo es her kommt. Und Mitgefühl haben.

Ich weiß, sie tun ihr Bestes. Sie haben es immer getan. Ich liebe sie, weil ich gelernt habe mich selbst zu lieben. Und mit mir selbst Mitgefühl zu haben.

Das Leben bringt uns schon immer wieder in unangenehme Situationen. Davor wegzurennen bringt nichts. Aus ihnen heraus zu gehen, nachdem wir sie liebevoll angenommen haben, gleichsam herauszuwachsen, darum geht es. Das ist mein Ansatz.

Einen frohen Sommertag voll Mitgefühl wünsch ich dir!

Reisetagebuch Eintrag 9

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Liebe/r Mitreisende!

Mein Leben ist so spannend!

Je mehr ich lerne, im Augenblick anzukommen, zu spüren, was ich brauche und anzunehmen, was immer das Leben mir in dem Moment schenkt, – wow! Es ist eine Freude zu beobachten, wie dann Möglichkeiten, Gelegenheiten – schwupps – einfach aufpoppen.

Gestern war ein ausgesprochener Schreibtag. Ich hatte Zeit, habe mich darauf eingelassen, hatte Freude mit meinem neuen Notebook, das so viel schneller und durchaus sympathischer arbeitet, als der Computer, den ich bisher genutzt habe. Da ich gerne schreibe, war ich ganz begeistert von der Möglichkeit bei Weltbild ein Buch zu kommentieren, das ich erst kürzlich gelesen habe. Im Zuge dessen kann ich sogar einen tollen Urlaub gewinnen!

Anschließend habe ich mich daran gemacht eine Reflexion des vergangenen Schuljahres zu schreiben, das wir mit meinem Sohn hier in Wels in der Da Vinci Akademie verbracht haben. Mir hat es gut getan meine Gedanken in eine überschaubare Ordnung zu bringen, die auch kommunizierbar ist, und alles konstruktiv und wohlwollend zu formulieren. Auch wenn einiges gar nicht angenehm, sogar belastend oder ärgerlich war, so haben sich alle große Mühe gegeben.

Meine wertvolle Erkenntnis aus dieser Erfahrung ist klar: wir Menschen haben alle unterschiedliche Vorstellungen! Wenn wir Wörter und Begriffe benutzen, dann schwebt bei dem einen dieses, beim anderen ein völlig anderes Bild vor dessen geistigem Auge. Nur durch stetige, ehrliche und wertschätzende Kommunikation und miteinander-Tun können wir klären, ob wir tatsächlich das Gleiche meinen. Jede/r muss dann für sich selber entscheiden, wie weit er/sie bereit ist Kompromisse einzugehen oder weiter zu ziehen.

Wir werden weiter ziehen. Ohne Groll oder Trauer. Die Schätze sind gehoben, wir nehmen viel mit. Dafür sind wir sehr dankbar, allen, die uns mit Offenheit und Engagement begegnet sind.

Das Neue, das da vor uns liegt, hat in unseren (Bernhards und meinem) Köpfen und Herzen schon sehr großen Raum eingenommen. Jedoch zeichnet sich ab, dass es konkreter, deutlicher werden darf in den nächsten Tagen und Wochen. Der Plan ein eigenes Konzept zu erarbeiten, wächst in meinem Kopf. Und nachdem ich es gestern ausgesprochen habe, weiß ich, dass auch Bernhard den gleichen Gedanken hatte.

So viele Menschen fühlen sich in ihrem Umfeld fehl am Platze, sind vielleicht von klein auf so geprägt worden, dass sie anders, falsch, krank oder komisch sind. Manche von uns haben Fähigkeiten, die ihren Mitmenschen Angst machen, weshalb sie verteufelt oder als Einbildung hingestellt werden. Die Menschen hören auf davon zu erzählen, fühlen sich schlecht und schuldig damit. Die Begabung wird zur Belastung!

Uns liegt daran jeden Menschen so zu sehen wie er tatsächlich ist. Die Neugierde aufeinander, auf ungeahntes Neues, auf ein Zusammenleben jenseits von fertigen Konzepten und Schablonen treibt uns an. Wie vieles kann möglich werden? Wie vieles kann sich ändern? – Und eines ist für mich ganz sicher: es darf und wird besser werden!

Für mich liegt es auf der Hand, dass ich mich dort wohl fühle, wo ich ganz anerkannt bin als die, die ich bin, mit meinen Stärken und Schwächen, meinen ganz persönlichen Eigenheiten, für die ich mich nicht schämen oder die ich nicht verstecken muss. Wo ich entfalten kann, was mich ausmacht, lebe ich mein volles Potenzial. Dann bin ich kraftvoll und wertvoll und fühle mich auch so! Dann lebe ich Selbstliebe, Selbstmitgefühl. Und diese sind die notwendige Voraussetzung für Liebe zu anderen und Mitgefühl mit anderen, mit allem!

Gestern habe ich das „Lol²a Prinzip“ von René Egli fertig gelesen. Alles ist so einfach! – Diese Botschaft nehme ich mit aus diesem Buch. Und Tatsachen wie:

  • Ich habe den freien Willen zu denken, was immer ich möchte!
  • Mir geschieht nach meinem Glauben/Denken!
  • Was ich verur_teile, das bringt Trennung und damit Konflikt!
  • Was ich aussende, kommt – irgendwann – zu mir zurück!
  • Dankbarkeit ist eine kraftvolle Möglichkeit des Annehmens dessen, was ist!
  • Dankbarkeit ist eine Form von Liebe!
  • Liebe ist die größte Macht im Universum!
  • Wenn ich annehme, was ist, ob es sich im Moment gut anfühlt oder nicht, kann ich loslassen!
  • Wenn ich loslasse, bleibe ich im Fluss!
  • Was immer ich für möglich halte, kann für mich Realität werden!
  • Was ich nicht für möglich halte, kann für mich nicht Realität werden!
  • Loslassen öffnet mich für die universale Intelligenz!
  • Mit Hilfe der universalen Intelligenz können alle Probleme gelöst werden!
  • Ich werde nicht sein wie Gott, – ich BIN Gott! Jetzt!
  • usw. …

Alles eine Frage der Entscheidung!

Es gibt so viele Menschen, die diese Wahrheit auf unterschiedliche Weise verstanden habe und uns in Filmen und Büchern mitteilen! Wir finden genau die Botschaften, für die wir im Moment bereit sind.

Bei mir haben sich die Botschaften und vielfältigen Zugänge in letzter Zeit gehäuft. Vieles klopft an, doch ich kann es erst einmal da draußen vor der Tür stehen lassen. Wissend, dass andere Menschen sich dieser Ansätze annehmen, dass sie weiter getragen werden auch ohne mich. Ich bin mit denen, die ich bisher eingeladen habe, vollauf beschäftigt. Es ist gut, wie es ist. Wichtig ist ja schlussendlich, dass ich mein ganz eigenes Bild, MEIN Verständnis für die Welt in mir entdecke und kultiviere! Was andere sagen, will geprüft und gelebt werden, bevor ich es einbaue in mein Gesamtbild. Wenn es mir hilft!

Nach dem langen Schreiben gestern war ich glücklich noch einen genussvollen, lebendigen Abend mit Bernhard beim Gauklerfestival in Linz verbringen zu können. Ich danke dem Wetter, dass es sich nicht an die Vorhersage hält! ;o)

Freude, Liebe und Lebensgenuss wünsch ich dir!

Reisetagebuch Eintrag 8

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So, nun habe ich meine Struktur hier umgestellt. Nicht mehr die Tage zählen, sondern die Einträge. Ich komme ja sonst doch nur durcheinander.

Ich kann sagen, es ist ein ganz neues Gefühl! Mein Notebook ist nach vielen Tagen (und Nächten!!) des fachgerechten Aufsetzens, Konfigurierens – und was weiß ich noch alles – einsatzbereit! Ich schreibe drauf! Erst jetzt kann ich seine Tastatur kennen lernen und mich über die neuen Features freuen, die ich hier vorfinde. Und im Moment geht es mir sehr gut damit.

Nicht zuletzt durch die intensive Arbeit an diesem Gerät hier, waren die vergangenen Tage sehr dicht ausgefüllt. Es kam auch Besuch, ich habe Kuchen gebacken, Brot sowieso, gekocht, geputzt, gewaschen, – was halt so anfällt. Und dabei war Wochenende! Zumindest einen gemütlichen Abend mit einem romantischen Spielfilm habe ich mir gewünscht und auch genossen.

Ich hatte Sorge, dass auch der gestrige Sonntag anstrengend werden könnte. Hier in der Umgebung haben wir noch nicht unseren freudig-umkomplizierten Sommer-Sonne-Badeplatz gefunden, an den wir – am besten per Radl – schnell und gerne jederzeit fahren können. Am liebsten mag ich klares Flusswasser, schön tief und kühl erfrischend. Ein See hat auch seinen Reiz. Leider bietet die Traun hier keine lauschigen Badeplätze, – alles reguliert und aufgestaut.

Eine gute Alternative haben wir gestern entdeckt. Das Schwimmbad, eine Bahn-Viertelstunde von uns entfernt, hält wirklich feine Erholungsqualitäten bereit: schattige, saubere Wiesenplätze, wo trotz Hochbetrieb noch Ruhe und Entspannung zu finden sind, angenehmes Wasser und Becken für jeden Geschmack und Bedarf. Sogar ein Ruhe-Sprudel-Becken steht zur Verfügung, in dem man einfach mal zwischendurch gemütlich vor sich hin blubbern kann.

Wenn wir danach auch alle wie gerädert heimgekommen sind, – von der Hitze und den wassersportlichen Aktivitäten -, so hat mein sommer-hungriger, sonnen-verliebter und wasser-verspielter Wesensanteil diesen Nachmittag als sehr befriedigend empfunden.

***

Ja, der Sommer!

Ist es nicht so, dass es im Sommer viel leichter ist mit sich selbst in Kontakt zu kommen?

  • Ich denke an den Urlaub. Ich habe endlich Zeit für mich selbst, kann darauf hören, wonach mir ist und mir so manchen Wunsch erfüllen: irgendwohin fahren, mal ein dickeres Buch lesen, die nähere Umgebung erkunden, Tiere beobachten, usw. usw.
  • Und ich denke an die glorreiche Wärme! Wie wenig Kleidung ich brauche! Ich fühle mich wohlig warm ohne Aufwand! Mein Körper ist mir irgendwie näher dadurch, ich fühle mich gut darin. Wenn ich weniger anhabe, dann spüre ich auch mehr direkt mit meiner Haut!

Ob es anderen auch so geht?

Wo ich hier schreibend zuhause arbeite, für meinen Sohn da bin und mich um Wohnung und Essen kümmere, habe ich eine ganz eigene Wahrnehmung dieser Urlaubszeit. Die meisten Menschen sind in Berufen tätig, wo es um andere geht. Sie kümmern sich um die Angelegenheiten (Aufträge, Gesundheit, Betreuung, Versorgung) anderer Menschen. Acht Stunden am Tag und mehr.

Als ich selber in einer Therapiewerkstätte angestellt war, habe ich diese Situation am eigenen Leib erlebt. Es hatte seinen Reiz sich für einige Zeit des Tages rein mit den Anliegen und Problemen anderer Menschen zu beschäftigen, – nicht mit den eigenen. Ich muss allerdings sagen, dass ich froh war über die Teilzeitanstellung. Denn ohne die tägliche Zeit für mich und meine Familie wäre ich mehr und mehr verschwunden, – als pädagogisches und menschliches Gegenüber für die KlientInnen genauso wie als konstruktive Mitarbeiterin im Abteilungs-Team.

Mir ist immer daran gelegen, als ich selbst präsent zu sein. Nicht als Rolle oder Funktion. Kann ich mich selber spüren, bin ich auch fähig mit anderen mitzufühlen. Bin ich mit mir selbst in Kontakt, kann ich auch mit anderen in Kontakt treten.

Derzeit habe ich keine Tätigkeit, in der ich mich hauptsächlich mit Themen anderer Menschen beschäftige. Ich merke schon, wie anstrengend das auch sein kann. Und wie ich nach Aufgaben suche, die Größeres bewirken als „bloß“ die Versorgung meiner unmittelbaren Umwelt, meiner Familie und meiner eigenen Anliegen.

Immer wieder wird mir aber klar, dass hier die Wurzel liegt, in dieser kleinen Keimzelle, in meiner eigenen Versorgung.

***

Eine Fliege sitzt schon seit geraumer Zeit hier neben mir am Tisch, putzt sich hie und da, weicht aber nicht von der Stelle. Ich wundere mich darüber. Vielleicht gefällt ihr genau die Konzentration auf den Moment, die Ruhe, die friedliche Stimmung hier? Oder sie genießt die Strahlung des Notebooks, sonnt sich quasi darin?

***

Rund um mich beobachte ich Menschen, die mit ihrer eigenen Versorgung nicht mehr viel zu tun haben. Sie kümmern sich nur mehr um andere, dienen „höheren“ Zwecken, – der Firma, dem Chef/der Chefin, dem Geld. Sie haben dienstbare Geister, die für sie putzen, waschen, lüften, die Pflanzen betreuen. Sie essen auswärts oder gar nicht. Wie hilflose Babys sind sie für die Versorgung ihrer Grundbedürfnisse auf andere Menschen angewiesen, obwohl sie deutlich älter sind als drei Jahre und jünger, als dass sie sich schon auf körperliche Gebrechen berufen könnten.

Zu einer guten Selbstversorgung gehört mehr als Nahrung, Kleidung, Sauberkeit. Doch welchen Wert hat es für viele Menschen, wenn sie Freundschaften pflegen, sich angenehme Bewegung verschaffen oder einfach mal nur für sich sein können?

Ich selbst habe als Jugendliche gelernt, dass es wichtig ist, seinen Beitrag zu leisten für das große Ganze. Und ich habe es so verstanden, als bedeute dies, dass ich mich deshalb zurück nehmen müsse, meine Bedürfnisse ignorieren und mich nur für andere und deren Dringlichkeiten einsetzen. – Und wo bleibe ich dann? Wer kümmert sich um meine Dringlichkeiten?

Diese Thematik hat mich schon damals zum Grübeln gebracht. Ich habe gelitten, weil es mir nicht gelungen ist beides unter einen Hut zu bringen: die Dringlichkeiten der anderen und meine eigenen Bedürfnisse. Damals habe ich gelernt meine Bedürfnisse auszublenden. Ich habe sie dann einfach nicht mehr wahrgenommen. Ich habe zum Beispiel nicht mehr erkannt, dass ich einfach Ruhe brauchte, oder Musik, oder ein gutes Gespräch. Dass ich lieber singen und Theater spielen wollte als mich mit chemischen oder physikalischen Formeln auseinander zu setzen und vernünftig zu bleiben. Meine gedrückte Stimmung, meine Gereiztheit, meine Motivationslosigkeit konnte sich keiner in meiner Umgebung erklären. Ich auch nicht.

Dafür, dass ich mich nur auf die Bedürfnisse der anderen einstellte und ihnen entsprach, hatte ich einzig meine innere Befriedigung, dass ich es richtig machte. Weil ich glaubte, das gehörte so.

Meinem inneren Plan habe ich es zu verdanken, dass ich aus dieser Sicht der Welt ausgestiegen bin. Noch immer schwanke ich manchmal, wenn es darum geht, welche Bedürfnisse Vorrang haben in einem bestimmten Moment. Doch habe ich inzwischen vieles verstanden, was mir schlüssige Erklärungen gebracht hat für Erlebnisse und Erfahrungen.

Wie beispielsweise die Tatsache, dass ich als Mutter zuerst schauen muss, dass es mir selbst gut geht um dann mein Kind bestmöglich versorgen zu können. Eine erschöpfte, unglückliche Mutter macht ihrem Kind höchstens Schuldgefühle. Die so wichtige Versorgung mit liebevoller Zuwendung kann sie wohl nur sehr begrenzt gewährleisten. Genauso ist das in einer Partnerschaft. Bin ich ausgebrannt und deprimiert, kommen keine Gefühle von Liebe und Zärtlichkeit auf, geschweige denn Lust.

Im Grunde geht es ganz allgemein darum, dass ich weiß, wer ich bin und was ich brauche, damit es mir gut geht. Und dann brauche ich die Fähigkeiten und Möglichkeiten mich darum kümmern zu können.

Was passiert aber, wenn der so wichtige Zugang zu den inneren Bedürfnisse schlichtweg verschüttet ist, diese Bedürfnisse unsichtbar und deshalb unerfüllbar bleiben?

Ich habe mich als Rädchen im Getriebe gefühlt. Also machte ich das Getriebe für mich verantwortlich! Wenn ich mich für etwas oder jemand anderen aufopfere, dann brauche ich einen Ausgleich! Am einfachsten Geld. Geld kauft mir alles, was mir hilft mich wertvoll, wirkungsvoll, erfüllt zu fühlen. Das dachte ich so. Das Getriebe, – die Wirtschaft, die Gesellschaft, die Familie, – soll für mich sorgen.

Trotzig und stur pochen wir auf unser Recht auf Genuss, Spaß, technische Hilfsmittel. Ausgleich, Ablenkung, Trost. Vielleicht noch ein Titel, eine Auszeichnung, eine offizielle Belobigung?

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Die Fliege sitzt immer noch hier. Ich glaube sie schläft. Oder meditiert sie?

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Der Sommer bringt Menschen dazu sich einfach für eine Zeit auf die Erde zu legen, still zu werden, sich zu spüren. Die Sonne auf der Haut, vom leisen Lüftchen umweht, – das tut schon gut! Eine Sonnenmeditation, bei der es möglich ist loszulassen vom Alltag und ein bisschen näher an die wahren inneren Bedürfnisse heran zu kommen. Ich finde das wunderbar! Und genieße es selbst.

Ich denke, so wie alles sein Gegenteil braucht, ist es wichtig sich um andere zu kümmern und um sich selbst, aktiv zu sein und dazwischen immer wieder ruhig, sich mit seinen eigenen Themen auseinander zu setzen und mit dem großen Ganzen. Auf die Art und Weise, wie das für jeden einzelnen/jede einzelne eben möglich ist. Das eine befruchtet das andere, vom einen lernen wir für’s andere.

Einen grandiosen Sommer wünsche ich dir mit Zeit und Lust für alles, das eine und das andere!