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In die Sonne geschrieben

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Nachdem ich früh von den sanften Strahlen geweckt worden bin, hab ich meinen Tag mit einem breiten Lächeln begonnen, das sich in feinen Wellen über meinen ganzen Körper ausgebreitet hat. Noch im Bett räkelte und streckte ich mich bis in die letzte Faser meines Körpers und schwang dann genüsslich meine Beine über den Rand. Mein Oberkörper schnellte in die Höh und meine Fußsohlen gaben sich leidenschaftlich dem ersten Kontakt mit dem kuschligen Bettvorleger hin.

Wärme streichelte zärtlich meinen Rücken, während ich die Brandung meines Atems durch meine Poren ein und aus strömen ließ. Sie leuchtete in allen Farben des Regenbogens.

Draußen vor dem Fenster blickte mir das frische Grün der ersten Blätter entgegen. Meine Arme und Hände tanzten ihren Tanz mit den Energien, fröhliches Vogelgezwitscher begleitete jede Übung. Der Duft von feuchtem Gras und warmem Holz hüllte mich ein.

Freude, Neugier, Offenheit, – ich fühle solche weiten und kraftvollen Gefühle in mir wachsen, bin wachsam für die Zeichen des Augenblicks. Mein Kind lacht mich an, mein Mann hat mir seine Liebe auf einem Zettel am Frühstückstisch hinterlassen, als er früh – sehr früh – aufgebrochen ist. Sie füllt den ganzen Raum und die Wellen des Lächelns erfahren frischen Wind.

Was willst du heute tun? – fragt freundlich die Welt. Die Sonne sagt, lachen! Mein Kind sagt, spielen! Mein Herz sagt, Worte finden! Worte für all das, was ich bin, was ich mir wünsche, was mir wichtig ist, was für mich das Leben lebenswert macht. Die richtigen Worte, die, die berühren und andere Menschen erreichen. Worte, die Raum lassen für andere Worte, die Türen öffnen und dunkle Winkel erhellen. Worte, die umarmen, beschützen, die längst vergessene scheue Wesen aus ihren dumpfen Verstecken hervor locken und Gefallen an sich finden lassen.

Da sprudelt es im strahlenden Hell des Tages, die Wörter blubbern hervor in ein Becken wohlwollenden Staunens, umringt von neugierigen Zaungästen wie dem zarten Aroma aus der Teetasse, dem quirlig melodiösen Rauschen des Wasserfalls oder dem beglückenden Anblick meines ins Spiel vertieften Kindes. Wie bunt die Farben, wie bunt die Geräusche, die Düfte, die Gefühle, die alle Nahrung sind für meine Worte. …

So habe ich mich an diesem kalten, trüben Aprilmorgen in die Sonne geschrieben, bin erwärmt und satt von frohen Bildern und einer süßen, befreienden Lebenslust.

Gabi