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Reisetagebuch Tag 3

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Langsam erwärme ich mich mit dem heißen Tee.

Gestern war das Schulabschlussfest meines Sohnes und ich habe bitterlich gefroren trotz der anregenden Gespräche und der leckeren Köstlichkeiten vom Mitbringbüffet.

So bin ich heute aufgewacht mit einem etwas geschwächten Körpergefühl. Ein Grund mich besonders gut um mich zu kümmern.

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Der gestrige Tag markiert für mich das Ende einer sehr spannenden Etappe meiner Lebensreise. Vor einem Jahr waren wir ebenfalls beim Abschlussfest dieser Schule, als zukünftige Teile dieser großen Gemeinschaft. So haben wir uns das damals zumindest gedacht.

Ein Schuljahr lang war ich Begleiterin und Zeugin der herausfordernden Lernprozesse meines Sohnes, Zaungästin bei einigen schulinternen Veranstaltungen und vor allem Kundin eines pädagogischen Unternehmens. Keinen Augenblick habe ich mich als Teil einer Gemeinschaft gefühlt. Irgendwie traurig.

– Was waren das dann aber für anregende Gespräche gestern? Gab’s denn keine positiven Kontakte, Begegnungen, zwischenmenschliche Bereicherungen?

Doch, ja, natürlich!

Aus diesem Jahr, das mich selbst so vieles gelehrt und Entwicklungsprozesse ermöglicht hat, nehme ich eine sehr bedeutende Erfahrung mit: auch an Orten, die so völlig anders schwingen, als ich selbst, finden sich Menschen, mit denen es eine Freude ist zusammen zu kommen!

Wieder durfte ich gestern erleben, was es heißt von Herz zu Herz zu kommunizieren. Offen zu sein für den anderen und vertrauen zu können, dass da genügend Raum ist für das, was ich zu sagen, zu geben, zu zeigen habe. Und gegenseitige Wertschätzung zu erfahren.

Wir Menschen sind so unterschiedlich!

Zu erwarten, dass alle das Gleiche denken, das Gleiche gut finden, sich für das Gleiche begeistern müssen, – was für eine Vorstellung!?! Wie einseitig und langweilig wäre diese Welt?

Und wie schrecklich die Vorstellung, dass ich allein bin unter lauter Menschen, deren Lebensüberzeugungen den meinen um 180 Grad entgegen gesetzt sind!

Nun, so extrem ist es vielleicht nie. Es gibt aber Momente, da fühlt es sich genau so an. Zum Beispiel dann, wenn rund herum alle ein ängstliches, daher sehr enges Ziel vor Augen haben und verbissen verfolgen. Und selbst bin ich beflügelt und voll Zuversicht, weil eine tiefe innere Gewissheit ein ganz anderes, ein kraftvolles, weites, ein lebendiges Ziel weist!

Wie gut tut es da, wenn Menschen auftauchen, die diese Zuversicht teilen, deren Ziel sich ebenso lebendig und weit anfühlt! (Ich denke nur an die Laising-Gemeinschaft, von der ich sicher noch berichten werde!)

Ich habe gelernt, dass Weite und Zuversicht, wenn ich mir ihrer bewusst und sicher bin und sie für mich lebe, andere Menschen anziehen, die ähnlich unterwegs sind. Eine anschauliche Demonstration für das Gesetz der Resonanz /das Gesetz der Anziehung.

Natürlich begegnen mir immer noch Zweifler, Kritiker, Aburteiler. Aber viel viel seltener als früher!

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Bei René Egli habe ich gestern von den zwei Arten der Intelligenz gelesen, die uns Menschen zur Verfügung stehen. Eine völlig neue Perspektive auf ein bekanntes Phänomen.

Wir Menschen besitzen die „Kopf-Intelligenz“, unseren Verstand, der analytisch aus den bekannten, aus den selbst gelernten, „gewussten“ Fakten Schlussfolgerungen und „wissenschaftliche“ Erkenntnisse zieht.

Und wir besitzen die „Herz-Intelligenz“, unsere Intuition, den Zugriff auf alle Informationen, auf die Weisheit des Universums, die uns spontan Erkenntnisse eingibt und uns durch unser Leben führt.

Die eine ist herleitbar, beweisbar, begrenzt, die andere oft unerklärlich, für den Verstand nicht erfassbar, unbegrenzt. Wir haben beide Möglichkeiten!

Es scheint, als haben wir als Menschheit seit langem die erste Variante in den Vordergrund gestellt, fühlen uns mit dem Beweisbaren und Erklärbaren auf der sicheren Seite. Doch haben wir uns dadurch von der Weisheit des Universums abgeschnitten!

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Viele Menschen nutzen noch immer – oder wieder vermehrt – auch ihre Herz-Intelligenz. Treffen diese auf Menschen, die sich dies verwehren, deren Zugang – durch welche kindlichen Erfahrungen auch immer – abgeschnitten worden ist, dann entsteht oft ein unangenehmes Gefälle, weil die Kopf-Intelligenz mit vielen Worten und stichfesten Argumenten die Wahrheit der Herz-Intelligenz zunichte redet.

Sehr oft ist mir das so gegangen, und ich bin mir klein und dumm und wertlos vorgekommen! Und habe doch gleichzeitig so große Kraft hinter meinem Wissen gespürt, das ich bloß nicht analytisch untermauern konnte.

Wir sind unterschiedlich geübt und unterschiedlich bereit für den Zugang zum großen Ganzen. Wir kommen damit auf die Welt und können uns jederzeit dazu bekennen oder dagegen entscheiden.

So wie jedes Baby mühelos tauchen kann, es aber – mangels Möglichkeit – verlernt, liegt es auch an den Möglichkeiten der Außenwelt, wenn wir als Kinder und später Erwachsene die Fähigkeit verloren haben uns mit dem Universum zu verbinden und Teil am universalen Wissen zu haben.

Es tut gut zu wissen, dass wir nicht abgeschnitten sind, niemals. Und dass wir den Zugang wieder finden können, wenn wir uns dafür entscheiden.

Wenn ein Gespräch stockt, ich mich unwohl fühle dabei und keine echte Verbindung aufkommt, dann weiß ich jetzt, dass möglicherweise einer von uns vom Verstand, aus der Enge, aus der Angst und der andere aus der Weite der Herz-Intelligenz kommuniziert.

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Wir Menschen sind so unterschiedlich! Und das ist gut so. Denn jeden Tag, mit jeder Begegnung lernen wir so viel Neues und Wertvolles über uns selbst und das Leben.

So ist auch diese Etappe mit ihren Herausforderungen, Missverständnissen und Enttäuschungen ein großer Gewinn und Lehrmeisterin auf meinem Weg zu mir selbst gewesen.

Nun geht es weiter, dankbar und voll Zuversicht, Weite und Offenheit.

Danke, all ihr Menschen! Danke mir selbst!

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Mir ist jetzt angenehm warm. Bald wird mein Sohn heimkommen und mir von der Übernachtung im Zelt am Schulgelände berichten, von seinen Erfahrungen mit seinen Freunden, den PägagogInnen, dem Abschlussprozedere am letzten Tag in dieser Schule.

Ich freue mich darauf. 🙂