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5 Gedanken um mit Tanz in Bewegung zu kommen

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Nach einem wunderschönen warmen Sommer liegt seit kurzem eine kühlere Frische in der Luft, und damit wieder Lust Neues anzupacken. Es waren für mich bewegte Monate mit  viel Arbeit an mir selber, spannenden Erkenntnissen und natürlich vielen Fragen, die mich immer weiter auf Trab halten. Hier sind fünf Gedanken, die speziell zum Thema Tanzen passen.

1. Tanzen ist immer eine Möglichkeit!

Tanzen bringt immer wieder etwas in Bewegung! Zum Beispiel wenn Lebenssituationen stocken oder Denkmuster scheinbar Lösungen für aktuelle Themen unmöglich machen. – Musik aufdrehen und den Körper machen lassen, ob in der Disco, mit einem Partner im Tanzclub oder allein im Wohnzimmer. Manche Probleme lösen sich danach wie von selber.

2. Tanzen lockert auf, hebt die Lebensgeister, löst körperliche und seelische Blockaden und bringt das gesamte System in Schwung.

Ich bin der Überzeugung, dass die Menschen früher Recht hatten mindestens einmal die Woche abends „zum Tanz“ zu gehen, beim Wirten, selbst wenn sie noch so müde von der Arbeit waren. Einseitige Bewegungen im Arbeitsalltag können durch die vielseitige tänzerische Betätigung ausgeglichen und so Muskelverspannungen, Körperfehlhaltungen, Abnutzung und Schmerzen vorgebeugt werden.

3. Tanzen ist ein natürlicher Ausdruck von Emotionen, der Raum braucht!

Was stört in diesem wunderbaren Konzept ist der Stress etwas richtig machen zu müssen, bestimmte Bewegungen, Figuren, Schritte zu beherrschen. Manche Männer gehen nicht tanzen, weil erwartet wird, dass sie führen und sie sich das nicht zutrauen. Und viele Menschen haben Sorge nicht gut auszuschauen, solange sie die Bewegungen erst lernen.

Trotzdem finde ich, wir sollten Tanzen nicht nur den Profis überlassen. Das ganze Leben dreht sich ums Lernen von Neuem. Das geht anfangs immer holprig, weil ja völlig neue Verschaltungen im Gehirn gefunden werden müssen. Ich erlaube mir inzwischen schon leichter daneben zu steigen oder vielleicht linkisch zu wirken, wenn ich Neues ausprobiere. Ich bin am Lernen! Erst wenn sich die neuen Bahnen wieder gefestigt haben, wird die Sache rund. Je öfter ich etwas Neues versuche, desto schneller festigen sich die Bahnen. Und je mehr Spaß alles macht, desto eher übe ich.

4. Nutze die Wirkung der Spiegelneuronen!

Ich schaue gerne tanzenden Menschen zu, wenn ich die Gelegenheit habe. Das ist wie beim Erlernen einer Sprache, nur optisch. Was ich oft wahrnehme, wird mir vertraut, – ob nun der Klang von Französisch oder die Bewegungsmuster einer Zeitgenössischen Tanzkompanie. Es ist ein bisschen, als würde ich schon selber mittanzen! Mein Körper lernt auf diese Weise so manche Bewegung und baut sie dann wie selbstverständlich in meinen Tanz ein.

Wie wär’s mit einem kleinen Probevideo zur Anregung? Three by Ohad Naharin, Batsheva Dance Company (Das Bild ist nicht ganz scharf, das macht nichts, finde ich.)

5. Geistige und körperliche Mobilität versprechen anhaltende Lebensfreude!

Sich bewegen macht nicht nur Kindern Spaß! In jedem Alter tut es gut, beweglich zu sein, seinen Emotionen Ausdruck zu verleihen, mit der Musik und mit anderen zu schwingen. Schon unser kindliches Gehirn hat über die Bewegung viele Vernetzungen erfahren, die später das Verständnis von physischen und abstrakten Zusammenhängen erleichtert haben. Diese Möglichkeit endet nie!

Es liegt an uns in Bewegung zu bleiben. Ich glaube daran, dass jeder Mensch seine besondere Art hat zu tanzen, und dass es aktuell eine unglaublich große Menge an Tanzkursen und anderen freieren Angeboten gibt, in denen man mit Gleichgesinnten zusammen dieser belebenden Beschäftigung nachgehen kann, die den Geist und den Körper gleichermaßen trainiert. Machen wir unseren Kindern leichter zu tanzen, indem wir ihnen ein begeistert tanzendes Leben vorleben!

Spürst du schon das Kribbeln in deinen Knochen? Dann tanze!

Eine Möglichkeit zu tanzen gibt es in St. Pölten!

Schon ab Dienstag, den 19. September 2017 kannst du wieder in einen neuen Individance-Kurs der VHS St. Pölten einsteigen!

Zeit: 19:00 bis 20:30 Uhr

Ort: Dr. Theodor Körner-Hauptschule III/IV; Turnsaal III/IV (genial großer, schöner Raum!)

Kosten: 84 € pro Semester

Anmeldung und nähere Infos hier!

 

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Kontrast

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Unvereinbar, nicht zusammenpassend …?

Zwei Welten, zwei Lebensvorstellungen, die nicht zusammen passen, – so geht es mir durch den Kopf. Zwei Welten, die aber neben einander existieren, was ich sehr verwirrend finde. Und dann aber auch als eine große Chance. Weil wir aus der einen lernen können, was wir in der anderen haben wollen!

Bauhaus-Uni Weimar

Die eine Welt rennt, wird immer schneller. Zumindest bestimmt Geschwindigkeit ihre Mottos, ihre Werbeslogans, ihre Planvorgaben. Nicht, dass es schnell sein DARF, nein, es MUSS alles schneller werden: die Fahrzeuge, die Erledigung von Aufgaben, die Menschen. Sonst gibt es kein Mithalten!

Und Gleiches gilt mit Präzision. Da dürfen keine Fehler passieren, alles muss sofort richtig sein, perfekt, 100%ig. Damit das überprüfbar wird, gibt es Normen, nach denen sich jeder und jede richten kann. (Obwohl: diese Welt ist nicht sonderlich gender-sensibel. – Viel zu umständlich, – das kostet Zeit!)

In dieser Welt werden ganze Berufe wegrationalisiert, weil die Arbeit auch von Maschinen durchgeführt werden kann. Es sind vielleicht einfache Tätigkeiten, die wenig Wissen oder intellektuelle Fähigkeiten erfordern. Der Schaffner in der Straßenbahn, oder der Hausmeister im Gemeindebau. – Oh, wie fehlen diese Menschen! – In dieser Welt gibt es Kontrollore und Putzfirmen, die punktuell, nach Plan, einschreiten, für Ordnung sorgen. Und Fahrkartenautomaten und Gegensprechanlagen, und verwahrloste Stiegenhäuser und einsame Menschen, – und arbeitslose Menschen.

In dieser Welt kostet die Arbeit von Menschen Geld, viel Geld, zu viel Geld. Man muss sparen! Denn auch Maschinen kosten Geld, und damit die Arbeit rational mit Maschinen erledigt werden kann, wird das Geld für den Bau dieser Maschinen gespart. Und natürlich für die Menschen, die solche Maschinen bauen können. Die verdienen viel. Die bekommen dann das Geld.

Die anderen sind in dieser Welt eben nicht so wertvoll. Manche Menschen werden nicht gebraucht. Wer keine Maschinen bauen kann, keine Computer bedienen kann, wer sich schwer tut sich den Anforderungen der Wirtschaft unter zu ordnen, der verdient auch kein Geld. In dieser Welt werden Menschen nicht in Konzentrationslager verbannt, aber sie werden finanziell und gesellschaftlich erpresst oder ausgehungert. Geld bedeutet Zugehörigkeit, – kein Geld bedeutet Ausgestoßen-Sein.

Deshalb werden in dieser Welt Kinder durch Schulen geschleust, mit Nachhilfe und Drohungen, Drill und Belohnungen gezwungen nicht sie selbst zu bleiben, sondern Maschinen bauen, Computer bedienen, sich den Anforderungen der Wirtschaft unterordnen zu können. In dieser Welt zählen funktionierende Menschen, nicht glückliche Menschen.

In dieser Welt gibt es viele kranke, arbeitslose, kriminelle, arme Menschen. Sie sind nutzlos für die Welt, keiner will sich mit ihnen beschäftigen. Wer es doch tut, ist wenig geachtet. Das erkennt man daran, dass diesen Professionen wenig Geld bezahlt wird. Geld wird nur für die weitere Beschleunigung ausgegeben, nicht etwa für Stagnation oder Verlangsamung.

Ich frage mich immer, wohin das führen soll. Was bringt es, wenn immer schneller immer mehr Müll angehäuft, immer mehr Umwelt zerstört wird und immer mehr Menschen nutzlos, arm, unglücklich oder krank gemacht werden?

Doch hat mich heute der Hinweis im Newsletter einer inspirierenden Heilerin (www.dieheilerin.at, „Spannender Kontrast“) aufgeklärt, wofür dies alles gut sein kann. Nämlich für die Gestaltung der anderen Welt, der, die völlig anders ausschaut, so, wie ich sie nämlich will.

 

In der anderen Welt gibt es unterschiedliche Geschwindigkeiten. Manches ist schnell, und manches ist langsam. Alle Schattierungen kommen vor, und zwar je nachdem, was gerade stimmig und gut ist. Alte Menschen sind langsamer als junge, vielleicht, vielleicht nicht! Sie gehen langsamer, denken aber vielleicht schneller.

In dieser anderen Welt hat alles die Zeit, die es braucht, damit es hochwertig, qualitätvoll, liebevoll sein kann. Pflanzen haben Zeit zu wachsen, ebenso wie Menschen Zeit haben sich zu entwickeln, jede und jeder in ihrem und seinem Tempo. Es gibt Fahrzeuge, die einen schnell von A nach B befördern, aber es gibt auch Pferdewagen, Fahrräder, die Füße. Und jedes ist geachtet, hat Platz.

Was Schutz braucht, wird geschützt in dieser anderen Welt. Dazu gehören Menschen, vor allem Kinder, Tiere, die gesamte Natur, Schönes. All das wird mich Achtsamkeit behandelt. Von allem wird gelernt in dieser anderen Welt.

In dieser anderen Welt gibt es so viele Maschinen, wie unbedingt notwendig sind, und so wenige wie möglich. Der Einsatz von Maschinen orientiert sich an den Bedürfnissen der Menschen, nicht umgekehrt.

In dieser anderen Welt müssen Menschen nicht dazu überredet oder gar über Angst und Drohungen gezwungen werden, irgendwelche Produkte zu kaufen, die ihnen letztendlich Schaden zufügen. Menschen entscheiden selbst über die Qualität ihres Zuhauses, ihrer Nahrung, ihrer medizinischen Versorgung und ihrer Informationsquellen.

In dieser anderen Welt wird respektiert, dass Kinder die Erwachsenen von morgen sind. Die Welt entwickelt sich weiter, die neuen Menschen bringen viel Neues schon mit. Es wird erkannt, dass alle voneinander lernen können, und vor allem, dass es ein miteinander-Lernen sein muss.

Alles hat seine Lebensberechtigung in dieser anderen Welt. Alle wissen, dass sie sich selber schaden, wenn sie etwas anderes auszurotten versuchen, – ob Bakterien, Viren, Tiere oder Menschen. In dieser anderen Welt wissen die Menschen, dass es darum geht mit Herausforderungen umgehen zu lernen, nicht das Alte, Gewohnte, Bequeme um jeden Preis zu erhalten. Die Menschen sind bereit ihre Grenzen zu erweitern, ihr Potenzial zu entfalten. Sie haben von früh auf gelernt, dass sie zu Großartigem fähig sind.

In dieser anderen Welt achten alle die Qualitäten in jeder und jedem einzelnen. Es ist bekannt, dass alle etwas beitragen wollen, jede und jeder nach ihren und seinen Fähigkeiten. Es gibt deshalb für jeden Arbeit, und jede Arbeit wird wertgeschätzt. So wie es für jede und jeden von Geburt an Versorgung (ein bedingungslos zugestandenes regelmäßiges Einkommen) und Nahrung und Wahrnehmung gibt, so gibt es auch Aufgaben. Denn jede und jeder hat etwas beizutragen. Deshalb gibt es in dieser anderen Welt keine Arbeitslosen, wenige Kranke, kaum Kriminelle und sicherlich keine Armen, die aus finanziellen Gründen an den Rand der Gemeinschaft gedrängt wurden.

In dieser anderen Welt müssen Menschen nicht zu irgendetwas gezwungen werden, damit das System aufrecht erhalten werden kann. Sie entscheiden selbst, als ernst genommener Teil einer Gemeinschaft, was das Beste für sie ist, und das ist das Beste für das Ganze. Die anderen sind immer Spiegel und Berater oder Beraterin, Unterstützende und Begleitende. Niemand bleibt allein, wenn er oder sie es nicht will, und jede und jeder schaut auf sich selbst.

Es wird anerkannt, dass jeder und jede das mitbringt, was gebraucht wird in dieser anderen Welt. Die Menschen erkennen das Gute in allen Personen, denen sie begegnen, das Verbindende, nicht so sehr das Trennende. Was sie unterscheidet, lernen die Menschen für die Weiterentwicklung ihres eigenen Lebens zu nutzen. Das lernen sie von Anfang an.

Du siehst, was da an Horrorbildern vor deinen Augen gestanden ist, hat sich schnell in ein wohliges neues Szenario verwandelt, in das du vielleicht gleich lustvoll und behaglich eintauchen willst. Du musst natürlich nicht mein Szenario nehmen. Gestalte dein eigenes und genieße es dir das Beste vorzustellen, was dir nur möglich ist. Fantasien haben Kraft!

Viel Freude dabei wünscht dir von Herzen

Gabi

Reisetagebuch Eintrag 14

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Wie prachtvoll der Sommer immer noch die Welt in strahlende Farben taucht!

Ich lerne gerade einen weiteren Schritt der Abnabelung, und dazu kann ich die fröhliche Farbenpracht und Wärme sehr gut gebrauchen. Wer seit geraumer Zeit erwachsen ist, wie ich, der würde vielleicht nicht daran denken, dass alte Kindheitsmuster noch immer sein Leben bestimmen und es in vieler Hinsicht hemmen oder einschränken. So wie ich es nicht dachte.

Mehr und mehr dieser Muster blubbern an die Wasseroberfläche meines Bewusstseins, und ich bin dankbar, dass sie blubbern!

***

Schon länger trage ich die tiefe Überzeugung in mir, dass wir Menschen unser Leben selbst gestalten durch das, woran wir glauben und was wir uns selber zugestehen. Als ich vor Jahren Louise L. Hay, besser gesagt eines ihrer Bücher, kennen gelernt habe, hat sich mein Leben tatsächlich radikal verändert. Ihre Ermutigung mich anzunehmen, wie ich bin, mich wertzuschätzen und mich das auch täglich immer wieder in Affirmationen wissen zu lassen, brachte völlig neue Kräfte in mir zutage. Ich fing an mir etwas wert zu sein, meine Wünsche und Bedürfnisse ernst zu nehmen (jetzt nämlich wirklich) und an die Möglichkeit ihrer Erfüllung zu glauben.

Auf diesem Weg des Sich-selber-ernst-Nehmens geht es oft lange Zeit sehr rund und flüssig dahin. Wenn auch schmerzhafte Erfahrungen daher kommen, erklären sie sich schon wenig später als wesentliche Chancen für Neues und BESSERES! Mein Leben ist reich und bunt, und an solchen Chancen mangelt es mir nicht.

Doch kann es passieren, dass vor lauter Befriedigung über das Gewonnene, vor lauter Stolz über den erfolgreichen Beweis für diese tiefe Überzeugung, der Schwung verloren geht. Dies ist der Zeitpunkt, an dem alte Muster wieder fröhlich das Kommando übernehmen und der Mensch sich fühlt, als würde er in der Falle sitzen. So wie ich.

„Ich habe es euch gezeigt! Es funktioniert wirklich!“ – Wie es scheint, war ich allen Ernstes der Ansicht nun alles Nötige getan zu haben und mich auf diesen Lorbeeren (eine wundervolle Partnerschaft, eine wundervolle Wohnung, ein wundervolles Kind, …) auszuruhen. Dass ich jemals wieder leiden oder unzufrieden sein könnte, – ich hätte es nicht erwartet! Aber ich litt. Und weil ich im Trubel des Trotzes, der Ungläubigkeit, des Haderns mit mir und der Welt auf viele der vorher gelernten Grundsätze vergessen habe, litt ich umso mehr.

***

Manchmal stehen die Erfahrungen, aus denen ich lerne, in keinem direkten Zusammenhang mit dem Inhalt dessen, was ich lerne. – Das möchte ich jedem pädagogisch tätigen Menschen groß ins Stammbuch schreiben!

Beispielsweise besuche ich ein Seminar zum Thema „Beckenboden“ nach der wunderbaren Franklin-Methode und komme nachhause mit dem Bewusstsein, dass meine Bedürfnisse ALLE wichtig sind. Und ich beginne zu sagen, was ich brauche, und vor allem, was ich nicht will (jetzt nämlich wirklich).

Im Grund ist jede Sache, die ich wirklich für mich mache, die mir Zeit und Raum für das Erleben meiner ganz persönlichen Natur gibt, eine Quelle von einschneidenden Erkenntnissen. Dinge und Erfahrungen, die mir mich selbst in meiner Kraft spüren lassen, bringen mich jedes mal enorm voran. Dabei lerne ich, was immer gerade ansteht gelernt zu werden.

Wie lange habe ich nicht getrommelt?! Gestern endlich konnte ich wieder einmal, und zwar auf einer geliehenen prachtvollen Ur-Ton Trommel, bespannt mit dem Fell eines Ziegenbocks, das intensive dunkle Bässe hervor brachte. Ein Krafterlebnis!

Wenn ich manches lange Zeit nicht gemacht habe, wofür ich erwiesener Maßen geschaffen bin, dann glaube ich oft nicht mehr daran, dass ich es kann. Doch beim Trommeln war ich mir sicher. Und ich werde es jetzt öfter tun, das weiß ich jetzt.

Was ich noch weiß, ist, dass ich eine ganz bestimmte Rolle in meinem Leben nicht mehr spielen will. Aus welchen Gründen auch immer habe ich gefühlter Weise schon immer die fürsorgliche Rolle einer Mutter für meine Eltern übernommen. Darüber habe ich immer wieder voll Rücksicht meinen eigenen Lebensfunken verdrängt und bin „verträgliche“, angepasste Wege gegangen. Ich habe es zugelassen, dass mich Ihre Sorgen und scheinbar aus Liebe zu ihrem Kind vorgebrachten Ängste bisher viel zu oft umgestimmt, mir jedenfalls enorme Kräfte gekostet und meinen Plänen häufig jede Brillanz genommen haben. Waren sie erst einmal zu Tode diskutiert, konnte ich sie gleich fallen lassen.

Aus damit! Was ich da übernommen habe, hat niemand von mir verlangt! Ich darf ehrlich Nein dazu sagen und mich wieder meinem eigenen Leben zuwenden. (Jetzt nämlich wirklich, Jippie!)

Ich bin bereit für all die weiteren Muster, die ich noch erkennen werde, wenn sie denn geblubbert kommen.

Und ich bin immer noch dankbar für meinen wundervollen Partner, mein wundervolles Kind, und für das wundervolle Haus, das irgendwo da draußen schon ungeduldig und voll Vorfreude darauf wartet von uns gefunden und bewohnt zu werden.

***

Glückliche Tage dir!

Gabi

Gemeinschaft

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Menschen,

die miteinander reden, die einander erlauben Fehler zu machen, weil sie sich selbst erlauben Fehler zu machen. Menschen, die weiter lernen, sich entwickeln wollen. Menschen die offen sind für neue Wege, sich nicht auf den einen richtigen Weg versteifen. Und sich selber treu bleiben. Deren Maßstab ihr eigenes Bauchgefühl ist, das sie schulen und dem sie vertrauen. Menschen, die sich selbst und einander vertrauen.

Menschen,

die in dem Bewusstsein leben, dass das, woran sie glauben, die Wirklichkeit bestimmt; die bereit sind ihre Wirklichkeit selber zu gestalten.

Keine festgeschriebenen Gesetze,

sondern Gesprächs- und Lernbereitschaft. Klarheit, die manchmal größer, manchmal kleiner sein mag.

Authentische Geinschaften,

die auch einmal Nein sagen zu Menschen und Ideen, weil es gerade eben nicht passt. Und die Menschen und Ideen einladen und willkommen heißen, wenn sie passen.

Viele

solcher Gemeinschaften ermöglichen es allen Menschen, die für sie stimmige zu finden, wo sie sich wertgeschätzt und anerkannt und sicher fühlen können als die, die sie sind.

Wir sind alle unterschiedlich. Es bereitet Schmerz, macht uns krank, wenn wir uns in eine Norm zwingen wollen. Als auswechselbare Einheitsfiguren werden wir zu miteinander konkurrierenden Feinden; als einzigartige Individuen können wir einander als Freunde gegenseitig unterstützen und bereichern.

Nehmen wir uns ein Beispiel am Permakulturgarten!

Entdecken wir unsere Einzigartigkeit, damit Gemeinschaft möglich wird!

Lernen und Verbundenheit

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Avatar_-_Aufbruch_nach_PandoraAnregung

Kürzlich habe ich erstmals den Film Avatar gesehen. – Ein erstaunliches und für mich ausgesprochen anregendes Erlebnis! Die meiste Zeit über war ich neugierig und aufgeregt ins Geschehen vertieft, körperlich ganz präsent und mit den Akteuren mitfiebernd.

Der Film hat mich auf voller Länger überrascht, schon weil ich ihn mir ganz anders vorgestellt hatte. Obwohl die filmtechnischen Leistungen mir den Atem raubten, drängen sie sich nicht in den Vordergrund. Was ich gesehen habe, ist ein fesselndes Traumbild unserer Zeit, in Farben und Formen brilliant ausgereizt und ins Herz treffend.

Sich verbinden

Wo die Hauptfigur, ein junger Kriegsveteran im Rollstuhl, weil gelähmt, in den Avatar-Körper „einsteigt“, sich verbindet mit dieser organischen Hülle, die aus menschlicher und der DNA der Planetenbewohner im High-Tech Labor gezüchtet worden ist, hat sich in mir ebenso eine Verbindung hergestellt. – Eine Erkenntnis, die ich körperlich spüren konnte.

Sein Geist, der eines kampfgeschulten Marines, mit all seinen Erfahrungen und Überzeugungen, übernimmt die Kontrolle über einen menschenähnlichen Körper mit teilweise aber völlig unbekannten Fähigkeiten und Eigenschaften. Dies entspricht für mich der Verbindung unseres Geistes mit unserem materiellen Körper, die wir oft gar nicht mehr wahrnehmen, geschweige an der wir arbeiten.

Wie er von einer der Planetenbewohnerinnen in die Lebensweise ihrer Art eingeführt wird, gleicht der Blitzentwicklung eines Säuglings zum Erwachsenen. Doch muss er seine durchaus schon erwachsenen, als Mensch gelernten Erfahrungsmuster durchbrechen um dem sehr ursprünglichen, naturverbundenen und kraftvollen Welt- und Selbstbild dieses Volkes nahe zu kommen.

Wir sind von Anfang an mit unserem Körper mitgewachsen, und unser Körper mit uns.

Verbundenheit chihuahua-618481_640

Auf vielen Ebenen hat sich die Erfahrung von Verbundenheit wie ein Rudel süßer Welpen an mich heran gemacht und mich verzaubert.

  • Einmal schon als die körperlich erlebte Verbindung mit der dargestellten Handlung, die Spannung, die Aufregung.
  • Diese Verbindung konnte ich gespiegelt sehen in der – im Film  technisch möglichen – Verbindung eines Menschen mit seinem Avatar-Körper, der auf dem fremden Planeten handlungs- und überlebensfähig ist. Vom Menschen kommen de facto einzig seine nicht-körperlichen Qualitäten (Geist, Seele?), sie verbinden sich mit den körperlichen Qualitäten des künstlichen Wesens. Und doch scheint da noch mehr darin zu stecken.
  • Verbindung findet statt in der Begegnung des beseelten Avatars mit der Frau des Planetenvolkes. Sie wird seine Lehrerin.
  • Die größte Lektion, die es zu lernen gilt, ist für den kämpferischen Geist des Ex-Soldaten die Verbundenheit mit allem, was um ihn herum ist. Ob es die wilden Tiere sind, die ihn zerfleischt hätten in seiner Unerfahrenheit, die exotischen Pflanzen in ihrer phantastischen bunten Pracht, oder die Samen des Ahnenbaumes, die ihn begrüßen und damit bekunden, dass er auf dem Planeten willkommen ist. Seine Verbundenheit mit allem, erkennbar im Respekt für und dem Wissen um die Arten und Formen des Lebens um ihn, gipfelt schließlich in der Fähigkeit, einen Flugdrachen zu zähmen und ihn zu reiten.
  • Ein materielles Zeichen des Verbindens, das sowohl zwischen den Einwohnern untereinander, als auch zwischen ihnen und Tieren oder Pflanzen immer wieder für Einstimmung und wertschätzenden Austausch slandscape-403165_640orgt, ist die Vereinigung von feinen Härchen aus dem langen Zopf der Wesen mit denen des anderen oder speziellen „Organen“ der jeweiligen Lebensform.
  • Dass Verbundenheit auch nonmateriell besteht, zeigt die Kommunikation mit anderen über weite Entfernungen hinweg. – Es wirkte auf mich fast wie das Reden über Sprechfunk, aber ohne jegliches technisches Hilfsmittel.

 

Das volle Potenzial

In der Geschichte sind die Planetenbewohner – ähnlich den Ureinwohnern unserer „unzivilisierten“ irdischen Landstriche – als im Vollbesitz ihrer körperlichen und geistigen Qualitäten dargestellt. Sie leben bewusst. Dazu gehört die Kenntnis ihrer eigenen Fähigkeiten, ihrer jeweiligen besonderen Bestimmung, als auch das Wissen über das, was sie umgibt, was sie nährt, was ihnen schadet, was sie heilt.

Diese Informationen ermöglichen ihnen als Gemeinschaft zusammen zu leben, in der jedes Individuum seine Stärken entwickelt und einbringt. So wird auch der „falsche“ Stammesgenosse unterstützt seine Eigenschaften zu entdecken und die Zusammenhänge zu erlernen.

In Avatar kommt sehr deutlich zum Ausdruck, welche Rolle die Gemeinschaft, der Zusammenhalt, das gemeinsame Tun und Wirken dabei spielen, wenn es darum geht seine Fähigkeiten und Stärken zu entwickeln. Der Neuling erfährt Ermutigung und Zweifel, Unterstützung und Ungeduld. Doch grundsätzlich bekommt er eine Chance, – Raum und Zeit und Vertrauen.

Da die Planetenbewohner mit den Kräften der Natur um sie herum verbunden sind, wissen sie deren Zeichen zu deuten. Sie spüren und wissen sich eingebunden in ein großes System, das von der Wissenschaftlerin in einer Sequenz als mit den Nervenverbindungen unseres menschlichen Körpers vergleichbar erkannt wird: der gesamte Planet als ein makrokosmisches Gehirn, in dem jeder Bestandteil Zugriff auf das große Ganze hat.

Entscheidung

Ich erkenne jetzt, aus einer völlig neuen Perspektive, plastisch und prägnant, dass auch mir als Mensch dieser Zugriff offen steht. Entscheide ich mich dafür diesen großen Zusammenhang zu sehen, zu fühlen, zu nutzen, dann bekomme ich Zugriff zu den Kräften, dem Wissen, das in allem steckt. Denn mein Erdendasein folgt sehr ähnlichen Gesetzen.

Körper und Geist sind eng miteinander verbunden, solange sich beides naturgemäß entwickeln kann. Gestern konnte ich zum Beispiel ein Baby dabei beobachten. Es nutzte die Haarspange seiner Mutter auf dem Boden als Trainingsinstrument. Die selbst gesetzte Aufgabe, dieses Objekt immer wieder zu greifen und anschließend weiter zu schubsen, forderte seine gesamte Aufmerksamkeit und Konzentration.

Es experimentierte mit Körperspannung, Drehbewegungen, Aufbäumen auf allen Vieren und Ausstrecken der Arme, ein – für den geschulten Blick einer Tänzerin – ganz ausgeklügeltes und facettenreiches, und durchaus anstrengendes Körpertraining. Durch andere Augen gesehen wiederum sensomotorische Übungseinheit, Yoga, etc.

Das Gehirn muss lernen

Spätestens mit Gerald Hüther ist es auch wissenschaftlich untermauert, dass unser Gehirn zum Lernen geschaffnerves-346928_640en ist. Es tut nichts anderes. Und das Gehirn ist bekanntlich mehr als nur die sensiblen Windungen in unserem Schädel. Man weiß inzwischen, dass sich Lernen und Denken über unseren gesamten Körper erstreckt. In den Zellen sind Erinnerungen gespeichert, die die Qualität ihrer Tätigkeit (gesund und lebendig oder krank und absterbend) ausmachen. Alle Teile unseres Körpers sind Bestandteil eines großen zusammengehörigen Gefüges, vergleichbar mit dem Planeten in dem Film.

Der Output zeigt den Input

Ich glaube, dass uns das oft nicht bewusst ist, wenn wir in der Tretmühle des Lebens eingespannt sind und es auch bleiben. Die Möglichkeiten Einfluss zu nehmen auf dieses Gesamtgefüge sind so zahlreich! Nur haben wir großteils nicht gelernt, dass es sie überhaupt gibt.

Ich bin für eine Ausbildung, in der die Kinder ihren menschlichen Körper kennen- und nutzen lernen! Überhaupt sehe ich das Bewusstsein der Verbundenheit als übergeordnete Grundlage allen Lernens. Und das betrifft

  • die Verbundenheit zum eigenen Körper (durch Ausleben der natürlichen Bewegungsbedürfnisse, Tanz, Sport, aber auch durch wohlige Berührung, Massage, bewusste Sexualität)
  • die Verbundenheit mit den Mitmenschen (durch die Anerkennung unserer gegenseitigen Abhängigkeit, der natürlichen Neugier, durch Achtsamkeit, Wertschätzung, den natürlichen Impuls zur Zusammenarbeit, Spiel, Gespräche, …)
  • die Verbundenheit mit anderen Lebewesen (durch die staunende Neugier, die Freude an Schönem, Besonderem, an einzigartigen Fähigkeiten und Formen, …)
  • die Verbundenheit mit dem Kosmos (durch die Wahrnehmung unserer Herkunft und Beschaffenheit, den Drang zu verstehen, das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Geborgenheit und Sinnhaftigkeit)

Abgeschnitten sein

Klar entsteht, wenn wir uns von uns selbst, von den anderen und der Welt abgeschnitten fühlen, Angst. Und in dieser Angst sind wir alle offen für jede Art von Rettung, die uns angepriesen wird. Panisch (siehe Stress!) und meist völlig unbewusst folgen wir allen „Hinweisen des Gesundheitsministers“, den Zeitungs- und Internetdoktoren, Finanzexperten und Junkfoodanbietern, die uns Erlösung, Glück und Gesundheit verheißen.

Menschen, die voll Selbstvertrauen in ihrem Dasein verwurzelt sind, brauchen sich nicht künstlich aufzuputschen, oder zu beruhigen, in keine virtuellen oder Urlaubs-Welten flüchten, sie brauchen keine TV-Helden, die für sie täglich das Leben leben und keine Medien, die ihnen das Denken abnehmen. Sie leben und denken und genießen selber im Vollbesitz ihrer körperlichen und geistigen Möglichkeiten.

Mein Wunsch

Ich bin für eine Ausbildung, die das Wissen um die Möglichkeiten unseres Menschseins einbezieht! So vieles wissen wir über die gesundheitsfördernden Wirkungen von Bewegung, von zwischenmenschlichem Austausch, von Geborgenheit, von sinnvoller Herausforderung und kreativem Ausdruck! Ich wünsche mir für unsere Kinder, dass ihnen dieses Wissen von Anfang an zugänglich gemacht wird. Besser ausgedrückt: dass sie von diesem Wissen, das sie ganz natürlich in sich tragen, nicht abgeschnitten werden durch Belehrung und Indoktrination.

Ich wünsche mir, dass wir Erwachsenen die Kraft und das Potenzial  erkennen lernen, das in der nächsten Generation vor uns heran wächst. Und dass wir selber unser eigenes Potenzial wieder entdecken, das oft sehr tief verschüttet ist. Ich wünsche mir, dass wir alle miteinander lernen, wie einzigartig ausgestattet jede und jeder ihr bzw. sein Leben beginnt, und wie einzigartig wir alle zu dem beitragen, was wir vorfinden. tree-527815_640

Mein eigener Weg führt mich immer wieder zu Menschen, die sich in unterschiedlicher Weise mit diesem Themenkreis befassen. Es gibt bereits sehr viele! Wir lernen! Und mein größter Wunsch ist, dass ich selber etwas beitragen kann, dass Menschen (wieder) in den Vollbesitz ihrer menschlichen Fähigkeiten gelangen.

In tiefer Verbundenheit

Gabi

Pädagogische Konzepte menschlich umgesetzt

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„Personorientierte Begabungsförderung“ heißt der Titel eines Buches, an dem auch der wissenschaftliche Mentor der DaVinci Akademie Wels, Dr. Günter Schmid, mitgeschrieben hat. Es will aktuelle Erkenntnisse aus pädagogischer Forschung für den Schulkontext greifbar machen.

Ich habe das Buch noch nicht gelesen, kann also dazu nicht Stellung nehmen. Doch habe ich Herrn Dr. Schmid am Elternabend in der DaVinci Akademie gehört, und seine Gedanken sind weiterer Brennstoff unter mein inneres Feuer für die Art und Weise, wie Kinder in ihrer Entwicklung von Erwachsenen bestmöglich begleitet werden können.

Es gab schon Momente, in denen ich dachte, der Platz, an dem die Prinzipien dieser personorientierten Pädagogik angewandt werden, muss erst geschaffen werden, zumindest in Österreich. Oder er ist nur im kleinen Kreis einer selbst sehr kreativen, geistig offenen und extrem flexiblen Familie mit großem Selbstvertrauen und dem feinen Gespür für die wahren Bedürfnisse von großen und kleinen Kindern lebbar. Doch die DaVinci Akademie versprach mit ihrem Programm und dem dafür geschaffenen Raum tatsächlich genau dieser Platz zu sein.

Kürzlich hatte ich dann das große Glück André Stern (er ist in einer wie dieser oben beschriebenen Art Familie aufgewachsen) in Wels sprechen zu hören und zu erleben. Wie er da von seinem kleinen Sohn Antonin in lebhaften Farben und Bildern berichtete, konnte ich auch die freudige Begeisterung meines eigenen Sohnes verfolgen, den die Authentizität und Begeisterung von André in seinen Bann zog. Obwohl schon wirklich erschöpft von seinen eigenen Herausforderungen des Tages, wollte er keine Minute vor Ende der Veranstaltung den Saal verlassen.

Was hat ihn so gefesselt?

Sicher hat ihn das, was Herr Stern voll Energie und Feuer in klare, plastische Worte gefasst hat, auf einer sehr besonderen Wellenlänge getroffen, – anders wohl, als viele Erwachsene, die ebenso an seinen Lippen hingen. Ich glaube, dass er sich so sehr verstanden gefühlt hat und in seinen Bedürfnissen wiedergespiegelt, weil auch er in einer ähnlichen vertrauensvollen Atmosphäre die elf Jahre seines bisherigen Lebens verbracht hat. Auch ihm wurde im Großen und Ganzen alle Begabung und Kraft zugetraut, die ein Mensch braucht um im Leben seinen Weg zu gehen – so wie man es jedem, von André Stern in humorvoll nachvollziehbarer Weise zitierten,  Mangokern zugestehen wird. – Personzentrierte Begleitung oder Pädagogik eben.

Mein Sohn hat daraufhin die Realität in seiner neuen Lernumgebung DaVinci Akademie nochmals mit anderen Augen zu sehen und scheinbar vieles zu vermissen begonnen. Das hat mich traurig und nachdenklich gemacht.

Bei mir stießen die Worte Sterns auf glückliche Resonanz zu all dem, was ich bisher schon über diesen fundamentalen Lebensbereich des Lernens erfahren, gelesen,  mir bewusst gemacht habe.

Ich selbst habe – so fühle ich –  in sehr begrenztem Ausmaß nur das Vertrauen in meine selbsterhaltenden und selbstentwickelnden Fähigkeiten erlebt. Der Fokus meines Elternhauses war sehr eng eingegrenzt, es zählte nur das, was sich darin wieder gefunden hat. Der Horizont meiner Eltern war die Grenze. Viele Begabungen, Stärken und Interessen wurden dadurch ausgeklammert, zu einem jämmerlichen Notleiderdasein verdammt. Gleichzeitig war alles auf eine Karte gesetzt worden, – die schulische Leistung. Mittlerweile erkenne ich darin die Summe aller Fähigkeiten mit oft lebensfernen und künstlichen Strukturen klarzukommen, die einen auf den Eintritt ins anerkannte System vorbereiten sollen, egal ob das nun gut ist, sinnvoll erscheint, glücklich macht oder gerade „den Bach hinuner geht“.

Mein eigener Weg war ähnlich dem eines Fisches, der aus dem Wasser genommen und für theoretische Belehrungen zusammen mit anderen ArtgenossInnen ins Trockentraining gesteckt wurde. Zu schwimmen wurde mir zudem als etwas Niederes, Frivoles oder sogar Peinliches, immerhin aber sehr Unnötiges kommuniziert, – denn ich erlebte auch die erwachsenen Fische meiner Umgebung nur äußerst selten dabei.

Was ich mit dieser überspitzten Beschreibung zum Ausdruck bringen will, ist die Gewissheit, dass wir Erwachsene es sind, die Kinder beim Leben er-leben MÜSSEN um selber leben lernen zu können. Wir Erwachsene sind die Referenz! Bedeutet Leben für uns Erwachsene Pflichterfüllung, Zwänge, Belastung und Selbstverleugnung, dann bedeutet es dies auch für die Kinder. Bedeutet es Ersatzbefriedigung und Ablenkung durch Konsum und virtuelle Realitäten, dann bedeutet es dies auch für die Kinder. Bedeutet es ein Streben nach Selbstausdruck, Freude und liebevollem Miteinander, so bedeutet es genau dies auch für die Kinder.

Wollen wir uns als Menschheit mehr und mehr vom wirklichen Leben, vom Fühlen unserer Gefühle, vom Bewegen unseres Körpers, vom Wahrnehmen der Fülle an Sinneseindrücken, derer wir fähig sind, distanzieren und in eine künstlich optimierte Scheinwelt begeben, so brauchen wir nur weiter unseren Nachwuchs von seinen ureigenen Lebensadern abschneiden, ihn am spontanen Tun und Eintauchen hindern. Wir brauchen ihm bloß weiterhin künstliche Welten als bessere Realität anbieten, uns selbst von allem Lebendigen abschotten und Gefühle als peinlich, Bewegung als unnötig und die großartige Vielfalt der sinnlich erfahrbaren natürlichen Umwelt als überflüssige, wenn nicht gar gefährliche Belastung präsentieren, die man gerade einmal theoretisch kennen gelernt haben sollte.

So unglaubliche, geniale Dinge hat der Mensch zustande gebracht. Und doch lebt eine unglaublich große Zahl an Menschen in Angst und Schrecken vor allem, was in diesem menschlichen Umfeld außer Kontrolle geraten ist. Wenn ich aber sehe, wie wenig Aufmerksamkeit, Wertschätzung und Respekt der Mensch dem Leben, seinem Leben und dem seiner Kinder schenkt, dann ist das für mich Erklärung genug für diese Diskrepanz.

Einer Pflanze die Wurzeln abzuschneiden nimmt ihr genauso die Fähigkeit zu überleben, wie ihr das Wasser oder das Sonnenlicht zu verwehren. Dem jungen Menschen schneidet man aber ohne Bedenken systematisch alle seine kostbaren Wurzeln ab. (Damit meine ich die Verwurzelung in seinem Körper, die er durch freie Bewegung, durch die Erfahrungen seiner Sinne und die Erprobung seiner spontanen Impulse erleben kann.)

Dass ein Fisch auf dem Trockenen nicht lange durchhält, ist uns allen völlig klar. Doch Kinder reißt man aus ihrem ureigenen Element, dem Spielen, und verbannt sie in ein trockenes Wüstenfeld aus Belehrungen und Zurechtschusterungen aus Angst, sie könnten sonst den Anschluss verpassen, sich nicht in die Gesellschaft fügen, nicht reich und glücklich werden.

In einer Schule, die die individuelle Entfaltung jedes einzelnen Kindes und Jugendlichen zu ermöglichen sich als Ziel gesetzt hat, sollte mein Sohn glücklich seinen inneren Impulsen zu wachsen und zu reifen nachgehen können. Doch wir dürfen nie die Kraft und Wirkung unserer eigenen Ängste und Überzeugungen auf unsere Töchter und Söhne unterschätzen, die uns – sofern wir dazu bereit sind es zu erkennen – unsere ganze Palette an unaufgelösten Themen punktgenau spiegeln. Wo wir Erwachsene in Angst vor dem Leben, vor unseren Trieben und der vernichtenden Bewertung „der anderen“ leben, stülpen wir ihnen unweigerlich alles über, was damit zusammen hängt. Wir nehmen ihnen mit unserer Angst den Lebensatem, nämlich das Vertrauen in ihre ureigenen Fähigkeiten mit dem, was sie mitbringen, ihr Leben zu meistern.

Der gequälte Aufschrei wohl vieler, die bis hierher gelesen haben, veranlasst mich zu einem abschließenden versöhnlichen Schwenk zu dem wohl wichtigsten Gedanken: schenken wir selber uns dieses Vertrauen, fassen wir selber den Mut uns so zu nehmen wie wir sind und beobachten wir liebevoll und staunend all das Wunderbare, das wir hervorzubringen imstande waren und sind! Seien wir menschliche, lebendige und vor allem freudige BegleiterInnen unserer Kinder.

Es grüßt euch,

 

Gabi

 

Positive Pädagogik

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positive pdagogik buchPer Zufall ist mir dieses Buch untergekommen und ich lese dankbar die grandiose Sammlung von äußerst relevanten und bereichernden Zusammenführungen und Diskussionen.

Es ist eine ungeheure Freude hier jemandem zuzuschauen, wie er eine bunte Kette aus schlüssigen Argumenten Perle für Perle auffädelt und – noch ein Bild – alle Zutaten zu einer geschmackvollen und bekömmlichen Speise mischt, die man schon längst hätte kosten wollen, eine Speise, die sich bewusste Pädagogik nennen könnte.

Ich bin noch mitten drin im Lesen, – auf die Beispiele aus der Praxis bin ich schon besonders neugierig.

Das Buch wirkt auf mich sehr inspirierend und bringt neue Impulse in meine eigenen Überlegungen. Allen, die sich Gedanken über das Wie und Warum von Lehren und Lernen machen, kann ich es wärmstens empfehlen.

Mehr zum Autor findet ihr unter www.olaf-axel-burow.de.

Viel Freude und ermutigende Lektüre wünscht euch

Gabi