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Reisetagebuch Eintrag 14

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Wie prachtvoll der Sommer immer noch die Welt in strahlende Farben taucht!

Ich lerne gerade einen weiteren Schritt der Abnabelung, und dazu kann ich die fröhliche Farbenpracht und Wärme sehr gut gebrauchen. Wer seit geraumer Zeit erwachsen ist, wie ich, der würde vielleicht nicht daran denken, dass alte Kindheitsmuster noch immer sein Leben bestimmen und es in vieler Hinsicht hemmen oder einschränken. So wie ich es nicht dachte.

Mehr und mehr dieser Muster blubbern an die Wasseroberfläche meines Bewusstseins, und ich bin dankbar, dass sie blubbern!

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Schon länger trage ich die tiefe Überzeugung in mir, dass wir Menschen unser Leben selbst gestalten durch das, woran wir glauben und was wir uns selber zugestehen. Als ich vor Jahren Louise L. Hay, besser gesagt eines ihrer Bücher, kennen gelernt habe, hat sich mein Leben tatsächlich radikal verändert. Ihre Ermutigung mich anzunehmen, wie ich bin, mich wertzuschätzen und mich das auch täglich immer wieder in Affirmationen wissen zu lassen, brachte völlig neue Kräfte in mir zutage. Ich fing an mir etwas wert zu sein, meine Wünsche und Bedürfnisse ernst zu nehmen (jetzt nämlich wirklich) und an die Möglichkeit ihrer Erfüllung zu glauben.

Auf diesem Weg des Sich-selber-ernst-Nehmens geht es oft lange Zeit sehr rund und flüssig dahin. Wenn auch schmerzhafte Erfahrungen daher kommen, erklären sie sich schon wenig später als wesentliche Chancen für Neues und BESSERES! Mein Leben ist reich und bunt, und an solchen Chancen mangelt es mir nicht.

Doch kann es passieren, dass vor lauter Befriedigung über das Gewonnene, vor lauter Stolz über den erfolgreichen Beweis für diese tiefe Überzeugung, der Schwung verloren geht. Dies ist der Zeitpunkt, an dem alte Muster wieder fröhlich das Kommando übernehmen und der Mensch sich fühlt, als würde er in der Falle sitzen. So wie ich.

„Ich habe es euch gezeigt! Es funktioniert wirklich!“ – Wie es scheint, war ich allen Ernstes der Ansicht nun alles Nötige getan zu haben und mich auf diesen Lorbeeren (eine wundervolle Partnerschaft, eine wundervolle Wohnung, ein wundervolles Kind, …) auszuruhen. Dass ich jemals wieder leiden oder unzufrieden sein könnte, – ich hätte es nicht erwartet! Aber ich litt. Und weil ich im Trubel des Trotzes, der Ungläubigkeit, des Haderns mit mir und der Welt auf viele der vorher gelernten Grundsätze vergessen habe, litt ich umso mehr.

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Manchmal stehen die Erfahrungen, aus denen ich lerne, in keinem direkten Zusammenhang mit dem Inhalt dessen, was ich lerne. – Das möchte ich jedem pädagogisch tätigen Menschen groß ins Stammbuch schreiben!

Beispielsweise besuche ich ein Seminar zum Thema „Beckenboden“ nach der wunderbaren Franklin-Methode und komme nachhause mit dem Bewusstsein, dass meine Bedürfnisse ALLE wichtig sind. Und ich beginne zu sagen, was ich brauche, und vor allem, was ich nicht will (jetzt nämlich wirklich).

Im Grund ist jede Sache, die ich wirklich für mich mache, die mir Zeit und Raum für das Erleben meiner ganz persönlichen Natur gibt, eine Quelle von einschneidenden Erkenntnissen. Dinge und Erfahrungen, die mir mich selbst in meiner Kraft spüren lassen, bringen mich jedes mal enorm voran. Dabei lerne ich, was immer gerade ansteht gelernt zu werden.

Wie lange habe ich nicht getrommelt?! Gestern endlich konnte ich wieder einmal, und zwar auf einer geliehenen prachtvollen Ur-Ton Trommel, bespannt mit dem Fell eines Ziegenbocks, das intensive dunkle Bässe hervor brachte. Ein Krafterlebnis!

Wenn ich manches lange Zeit nicht gemacht habe, wofür ich erwiesener Maßen geschaffen bin, dann glaube ich oft nicht mehr daran, dass ich es kann. Doch beim Trommeln war ich mir sicher. Und ich werde es jetzt öfter tun, das weiß ich jetzt.

Was ich noch weiß, ist, dass ich eine ganz bestimmte Rolle in meinem Leben nicht mehr spielen will. Aus welchen Gründen auch immer habe ich gefühlter Weise schon immer die fürsorgliche Rolle einer Mutter für meine Eltern übernommen. Darüber habe ich immer wieder voll Rücksicht meinen eigenen Lebensfunken verdrängt und bin „verträgliche“, angepasste Wege gegangen. Ich habe es zugelassen, dass mich Ihre Sorgen und scheinbar aus Liebe zu ihrem Kind vorgebrachten Ängste bisher viel zu oft umgestimmt, mir jedenfalls enorme Kräfte gekostet und meinen Plänen häufig jede Brillanz genommen haben. Waren sie erst einmal zu Tode diskutiert, konnte ich sie gleich fallen lassen.

Aus damit! Was ich da übernommen habe, hat niemand von mir verlangt! Ich darf ehrlich Nein dazu sagen und mich wieder meinem eigenen Leben zuwenden. (Jetzt nämlich wirklich, Jippie!)

Ich bin bereit für all die weiteren Muster, die ich noch erkennen werde, wenn sie denn geblubbert kommen.

Und ich bin immer noch dankbar für meinen wundervollen Partner, mein wundervolles Kind, und für das wundervolle Haus, das irgendwo da draußen schon ungeduldig und voll Vorfreude darauf wartet von uns gefunden und bewohnt zu werden.

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Glückliche Tage dir!

Gabi