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Mango – Glück und Diskrepanzen

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Seit knapp sechs Wochen wohnt bei uns ein kleines Kätzchen, das uns durch ihre Anwesenheit sowohl das Herz erwärmt und ungeahnte neue Perspektiven aufzeigt, als auch große Verantwortung und Herausforderungen bedeutet.

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Wie sie uns gleich allen zuging, wie sie sich verständlich machte, schnell lernte und uns mit ihrer akrobatischen Veranlagung beeindruckte! Vor allem gefallen mir ihre Anmut und gleichzeitiges Draufgängertum bei der Jagd nach Papier-, Styropor- oder Stoffmäusen am Schnürl.

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Wachsam und doch unglaublich entspannt, – jederzeit voll einsatzbereit und immer sooooo süß, wie mein Sohn nicht müde wird zu erwähnen. Sie weiß wohl nicht genau, ob ihr Name nun „Mango“ ist, oder vielleicht doch „soooo Süß“?

Naja, und wenn sie schläft! (schmelz …)

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Kompromisslos!

Ich liebe es zuzuschauen, wenn sie das kleine Hendl, das wir ihr als Mausersatz zur Verfügung gestellt haben, in hohem Bogen in der Luft auffängt, mit beiden Vorderpfoten an die Brust drückt und schließlich mit sich auf den Boden reißt, wo ihre Hinterpfoten mit einer Tirade von Schubsern auf das wehrlose Opfer einprasseln. Es sieht so aus, als würde sie ihren Spielkameraden kitzeln. Nun, in wenigen Monaten gibt sie dann so dem eben gefangenen Mittagessen noch die nötige Würze.

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Sicher und geborgen fühlt sie sich hier in diesen starken Armen. Völlig verständlich. Und das wünsche ich ihr auch für die Zukunft.

Es fällt uns schwer, doch müssen wir leider wieder von ihr Abschied nehmen, denn Tatsache ist: wir sind nicht als Gastgeber für eine kleine Katze geschaffen. Zu viel Trubel, Termine außer Haus, Bedürfnis nach Rückzug und Ruhe zu manchen Zeiten. Turbulenzen genug, auch ohne die erfrischende Lebendigkeit dieses bezaubernden Wesens.

So bin ich dankbar für diese Erfahrung, lehrreich und inspirierend wie sie ist, und freue mich, wenn unser Fellengerl ein stimmiges, freundliches und abenteuerbereites neues Zuhause gefunden hat.

Ja, und die Hoffnung ist nicht enttäuscht worden! Das Weihnachtsfest konnte Mango schon in ihrem neuen Zuhause in der Steiermark verbringen. Wir haben bereits Nachricht, dass sie sich gut eingelebt hat, – wie ja auch bei uns, – und dass dort liebevoller Raum ist für ihr aufgewecktes, neugieriges und kuschliges Naturell.

Frohe Grüße

Gabi

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Tanzen ins Licht

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Heute liegt dichter Nebel rundum über den Hügeln. Ich fühle mich wie eingemummt von diesem feinen und doch unnachgiebigen Schleier. Doch er hält mich nicht, ich bleibe beweglich. Und er macht Lust sich durch die sanften Hüllen hindurch ins Licht zu tanzen, das in mir drinnen lebendig wird, sobald ich loslege.

Bewegung tut mir immer gut,

z. B. wenn mir kalt ist, wenn ich eine leichte Verkühlung spüre, wenn ich den ganzen Vormittag über mit Recherchen oder Organisieren am Schreibtisch verbracht habe. Und mir hilft es sogar mir die Bewegung innerlich vorzustellen!

Manchmal habe ich keine Lust aufzustehen und Musik aufzudrehen. Dann bleibe ich, wo ich bin, setze mich aufrecht hin und schließe die Augen. Während ich ruhig atme, erlaube ich irgendeiner Musik in mir aufzusteigen. Ich beginne tanzende Körper vor meinem inneren Auge entstehen zu lassen und fließe selbst in diesen Tanz mit ein, innerlich, mit unsichtbaren Bewegungen. Ich lasse sie in meinen Organe tanzen: einzelne Zellen, kleinste Teile von mir, die sich schließlich wie die Wassertröpfchen im Nebel draußen durch meinen Körper bewegen, wirbeln, strömen, fließen.

Da kann es wild oder gemächlich zugehen, in gedämpften Farben oder ganz bunt. Und ich spüre, wie ich wieder munter, gleichzeitig ruhig und zutiefst froh werde.

 

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Und darauf freue ich mich schon:

auf den Individance-Kurs in St. Pölten, der am Dienstag, dem 8. November beginnt. In diesem wunderschönen Turnsaal, den ich schon beim Schnupperabend sehr genossen habe, haben wirklich viele Menschen Platz! Da werden wir uns von den herbstlichen Nebelschwaden genauso inspirieren lassen wie von den bunten Blättern, den Winterstürmen oder den schlafenden Knospen, die schon von ihrem Aufblühen träumen im Schutz von Laub und Schnee und warmer Erde.

Wenn du Lust hast dich durch den Winter zu tanzen und nebenbei Präsenz, Ausdruckskraft und Vitalität zu stärken, dann melde dich direkt bei der VHS St. Pölten an.

Der Kurs beginnt um 19:00 Uhr und dauert 1,5 Stunden, in denen vom genussvollen Warm up über inspirierendes freies Experimentieren bis zum kreativen Spiel mit deinen
spontanen Bewegungsimpulsen viel Tanz und Freude und Leichtigkeit entstehen.

Vielleicht sehe ich dich ja dort!

Einen frohen Herbst mit viel äußerlichem und innerlichem Licht wünscht dir herzlich

Gabi

 

Wie wir unsere Kinder sehen

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Freund oder Feind?

Kinder entspringen unserer Fortpflanzungsfähigkeit, sind ein Produkt unserer natürlichen menschlichen Triebe*. Diese Triebe können verteufelt oder ehrfürchtig als Quelle von Wundern erkannt werden. Genauso wie auch folglich die Kinder.

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Wie wir Menschen mit uns selbst umgehen, ob wir unser Handeln und Schaffen als wertvoll und gut ansehen, oder ob wir uns eher als willenlose Opfer fühlen, ohne Handlungsspielraum, als bloße Handlanger anderer, das wirkt sich auch auf die Sicht auf unsere Kinder aus.

Wer ihren starken Lebens- und Entdeckerwillen als Bedrohung empfindet, weil der eigene Wille lange gebrochen ist, der hat wenig Interesse daran, Kinder wachsen, sich glücklich entwickeln zu sehen. Er wird danach trachten Kinder zu regulieren, wie er das auch mit Flüssen und Pflanzen tut, ihr Tun und Treiben in klare Bahnen zu lenken, weil er das selber ja auch erlebt hat. Die Bedrohung muss unter Kontrolle gehalten werden. Kinder müssen gebildet werden.

Biologie, Hirnforschung, Pädagogik, Kunst

In all diesen Bereichen wurden in den vergangenen Jahren Bücher und Filme veröffentlicht, die sich mit dem Thema Bildung beschäftigen. Und es werden immer mehr. Für mich zumindest, denn meine Spürnase entdeckt diese Thematik mittlerweile ja schon fast überall.

Zwei Bücher möchte ich zum Thema heraus greifen:

Eines stammt von John T. Gatto, einem Lehrer, der in New York in seinen fast 30 Jahren Amtszeit zahlreiche Auszeichnungen in seinem Fach erhalten hat. Es wurde von Dagmar Neubronner ins Deutsche übersetzt. (Neubronner ist Mutter der zwei berühmtesten deutschen Schulabbrecher, hat einen Verlag gegründet und veröffentlicht über diesen eine bunte Auswahl einschlägiger Werke zum Thema Freiheit des Lernens.)

Von dem Buch, im Englischen „Dumbing Us Down“, in der deutschen Übersetzung „Verdummt noch mal“, sind auf der Genius-Website ein paar Seiten online zum Einlesen.

Wer gedacht hätte, der viel geschätzte Lehrer beschreibt stolz seine pädagogischen Errungenschaften und verrät Tipps und Tricks für seine Berufskollegen, den hat sicher schon der Titel verwirrt. Und nach der Einleitung ist vollends klar, dass dieses Werk ein anderes Ziel verfolgt. Was die Kinderseele schon irgendwie gespürt hat, wird hier messerscharf analysiert und ohne Beschönigung vor uns ausgebreitet.

Die verdeckten Lektionen, die unabhängig von Inhalten an jeder Regelschule vermittelt werden, sind verdummt_mnoch_malnach Gatto:

  • Verwirrung
  • Gesellschaftliche Schichtung
  • Gleichgültigkeit
  • Emotionale Abhängigkeit
  • Intellektuelle Abhängigkeit
  • Labiles Selbstbewusstsein
  • Man kann sich nicht verstecken

Lest selbst!

Als kleiner Appetithappen noch ein Zitat aus dem Vorwort: „Als ich in einem Vortrag unter anderem die berühmten sieben Gatto-Lektionen (Kapitel 1) präsentierte, verteilten wir vorher ‚Kotztüten‘ (wie im Flugzeug), nach dem Motto: Es könnte einem schlecht werden, wenn man begreift, wie Regelschulen die Lernfähigkeit unserer Kinder systematisch untergraben.“ (Vera F. Birkenbiehl)

Väter und Söhne

Aber es geht auch anders:

In „Mein Vater mein Freund Das Geheimnis glücklicher Söhne“ schreiben Arno und sein Sohn Andre Stern jeweils von ihrer Kindheit und Jugend und der Rolle, die der Vater in ihrem Leben spielt. Ein Bild von Respekt, Vertrauen und gegenseitiger Neugier entsteht vor dem Auge des Lesers/der Leserin, ein Bild der Entfaltung, der Kreativität und der Schaffensfreude. Mein Vater mein Freund

Die Umstände waren oft nicht gerade bequem und attraktiv, doch immer gab es Handlungsspielräume, für Eltern wie für Kinder. Und gegenseitiges Vertrauen, das auf einem generellen Vertrauen der Eltern in sich selbst fußte.

Was alles entstehen kann, wie originell und kraftvoll sich Lebenswege offenbaren, freut das Herz, inspiriert und gibt Vertrauen.

Das Potenzial Kinder

Was ist aus dem Vertrauen geworden, das Bauern ihrer Saat, Eltern ihren Kindern entgegenbringen? Es war Andre Stern in seinem Vortrag in Wels, der mit einem Bild das Publikum zumindest zum Lachen brachte.

Er erzählte von einem Mangokern, der in einem Glas Wasser nach wenigen Tagen aufbricht und zu keimen beginnt. „mango-329436_1280Niemand würde sagen, das ist ein außergewöhnlich begabter Mangokern!“- Hier kam der Lacher. – Das ist es einfach, was Mangokerne tun, wenn sie die geeigneten Bedingungen vorfinden.

Aber Kinder, die ihre Talente entfalten, weil sie dafür Raum, Zeit und Vertrauen bekommen, gelten schnell als hochbegabt in Kontrast zu den vielen anderen, die dies nicht tun. Wenige nur erkennen, dass diesen bloß die geeigneten Bedingungen fehlen. (aus der Erinnerung an den Vortrag von Arno Stern am 13. Oktober 2014 in Wels)

Der Widerspruch in sich

Wundern wir uns denn noch über die verheerenden Flutkatastrophen, die Städte und Dörfer entlang säuberlich regulierter Flüsse heimsuchen?

Wundern wir uns noch über die jährlich widerstandsfähiger werdenden „Schädlinge“, die über pestizidgetränkte Felder und Plantagen herfallen?

high-water-123200_1280Ich wundere mich nicht über die Gewalt und Aggressivität bei Kindern und Jugendlichen, deren Lebendigkeit durch sorgfältige Regulierung aller natürlichen Antriebe und gehirnwäscherischer Manipulation authentischer Wünsche und Bedürfnisse behindert wird. Wie die natürliche Kraft des Flusses muss auch die der Kinder irgendwo Ausdruck finden. Das ist physikalisches Gesetz!

 

 

Dies ist uns vielen ja schon einigermaßen klar, …

ABER …

gelingt es uns auch entsprechend dieser Erkenntnis zu handeln?

  • Wagen wir es, entgegen aller medialer Berieselung, uns selbst in den Mittelpunkt zu stellen?
  • Wagen wir es selbst zu denken und unseren Gefühlen (und körperlichen Symptomen) Glauben zu schenken?
  • Wagen wir es unseren Kindern zu glauben anstatt ihnen weiter jede Kompetenz zur Wahrnehmung ihrer eigenen Bedürfnisse und Gefühle abzusprechen?
  • Wagen wir es uns dem allgemeinen Fortschritt in den Weg zu stellen, uns aus dem Konkurrenzkampf zurück zu ziehen und gemeinsam mit anderen menschliche Werte entstehen zu lassen?
  • Wagen wir es unsere natürlichen Triebe und unsere Kinder wieder als Quelle von Wundern zu erkennen?

Wunder

Wer braucht noch Wunder, wenn eh schon alles technisch machbar ist?

Unsere Kinder zeigen uns, dass wir alles lernen können. Ob Sprechen, Gehen, Freundlichkeit, Kämpfen, Mechanik, Geometrie, Tanzen, Schach Spielen, Ski Fahren, Zweifeln oder Vertrauen. Stimmen die Bedingungen, so werden sie entweder zu RennfahrerInnen oder zu SozialarbeiterInnen, zu BaumeisterInnen oder Reinigungsfachleuten, zu ehrlichen, mitfühlenden und selbstsicheren Persönlichkeiten oder zu aggressiven, zerstörerischen, hilflosen AußenseiterInnen.

Es ist k/ein Wunder. Und alles hat seinen Wert und seine Berechtigung!

binoculars-100590_1280Wichtig hier ist der Punkt, dass wir Vorbilder sind. Wie wir unsere Kinder sehen, so sehen sie uns, so sehen sie die Welt, so sehen sie sich selber. Sperren wir sie ein, regulieren wir sie, stecken wir sie in ein Korsett aus absolutistischen Strukturen, dann sehen sie unsere Eingesperrtheit, die Welt als tote Ödnis, sich selbst machtlos ohne Wert und Nutzen.

Wäre es nicht schön, wenn Kinder wachsen und lebendig bleiben könnten in dem Bewusstsein kompetent, stark und liebenswert zu sein, etwas in der Welt bewirken zu können und vor allem mit ihrem persönlichen Beitrag willkommen zu sein?

Können wir Kinder so sehen? Können wir zuerst einmal uns selbst so sehen?

Ich weiß, das ist ein gutes Stück Arbeit. Doch für alle, die es ernst nehmen, von großer Freude und bereicherndem Erfolg gekrönt.

Danke für dein Interesse und eine Wunder-volle Zeit!

Gabi

Schönes nährt uns

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Neue Schule – neuer Wohnplatz

Wir wollen in Wels Fuß fassen. Viele Menschen fragen uns, wie wir auf diese Idee kommen, und tatsächlich hat uns eine sehr mutige und zukunftsweisende Schule, – die da Vinci Akademie, – dorthin gelockt. Mir als leidenschaftlicher Pädagogin ist es eben ein Herzensanliegen, wie mein Sohn in seinem Aufwachsen begleitet wird. Die gewünschte Qualität finde ich dort.

Unterschiedliche Prioritäten

Wels hat sehr schöne Plätze und in der Stadt auch viel Grün. Zwischendrin allerdings stehen immer wieder überraschend funktional oder – besser – technisch interessant gebaute Häuser, die mich an den Stil von Touch Screen Handys erinnern, und die jeglicher Wärme und Wohligkeit oder auch Stil entbehren.

Funktion oder Verschandelung?

Tarek Leitner spricht in diesem Zusammenhang von Ingenieursbauten, Bauten, die auf dem Reißbrett entstehen als kreative Geistesblitze eines Bauingenieurs, und die heute ohne Skrupel im Handumdrehen verwirklicht werden, weil sie machbar sind. – Die modernen Technologien lassen es zu. Und sie sind „wirtschaftlich“.

Tarek Leitners Buch „Mut zur Schönheit – Streitschrift gegen die Verschandelung Österreichs“ ist mir heute per Zufall in die Hände gekommen. Im kurzen Reinlesen fand ich spannende Sichtweisen, Zusammenhänge und – einen Gleichgesinnten. ;o)

Wir sind lebendige, fühlende Wesen

Unser zutiefst menschliches Anliegen ist es, schön zu wohnen. Vielleicht fallen wir da aus der Norm, oder haben ein besonderes Empfinden davon, was schön ist. Uns liegt an Natürlichkeit, an weichen, gerundeten Formen, Material, das atmet und Strukturen, die optisch Harmonie ausstrahlen. Wir lieben Altbauten, weil dort diesen Anliegen großteils entsprochen ist.

Wir wissen, dass unser Lebensumfeld uns beeinflusst und wollen uns da wohlfühlen, wo wir viel Zeit unseres Lebens verbringen. Wir sind Menschen, denen Wertschätzung, Verständnis, Ruhe und Kreativität wichtig sind, – das alles wollen wir leben können.

Lebensqualitäten

Wir freuen uns voll Spannung auf den Platz, der unsere eigenen Qualitäten wie Liebe, Freude, Sinnlichkeit, Ästhetik,  Neugierde, Lebendigkeit und Weite aufnimmt und widerspiegelt. Es darf duften, nach Gebäck oder Gras, Blüten oder Holz, es darf klingen wie das Rauschen eines Baches, das Fahren von Zügen, das Zwitschern von Vögeln oder wie Glockengeläute. Und es darf sich anfühlen wie Heimkommen, willkommen-Sein, ein Lächeln, ausgebreitete Arme, ein Augenzwinkern der Lust auf’s Leben.

Schönheit ist Nahrung für unsere Seele, erfreut unser Herz und inspiriert unseren Geist.

Doch: Es braucht die Dunkelheit um das Licht zu erkennen!

(siehe Jason Mraz: Everything Is Sound  „… we all need the darkness to see the light …“ auf dem Album LOVE)

 

Gabi